Soziales
Wohnungslosenhilfe: Gutes Netzwerk fängt Obdachlose bei Kälte auf
Bielefeld, Berlin (epd). Kommunen und Städte reagieren nach Ansicht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zunehmend schneller und besser, um Obdachlosen im Winter warme Unterkünfte und weitere Hilfen anbieten zu können. Angesichts der anhaltenden eisigen Kälte passiere in Großstädten vieles, um auf der Straße lebende Menschen vor dem Erfrierungstod zu bewahren, sagte BAGW-Fachreferent Rolf Jordan am Dienstag in Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In Berlin und Hamburg etwa seien die Plätze in Notunterkünften aufgestockt worden, U-Bahn- und Hauptbahnhöfe hätten auch nachts geöffnet. Auch Einkaufszentren würden wegen warmer Schlafplätze angesprochen. In Bremen könnten zurzeit Obdachlose in Straßenbahnen umsonst mitfahren, um sich aufzuwärmen. Zusätzliche Streetworker und spezielle Kältebusse würden in den Städten zudem eingesetzt, um gezielt Menschen auf der Straße aufzusuchen.

"Niemand in den großen Städten muss in dieser Zeit draußen schlafen", betonte auch Jan Orlt von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe in Münster. Die Diakonie unterhalte vor allem in Städten ein soziales Netzwerk mit Einrichtungen für Wohnungslose, die über das ganze Jahr Hilfe anbieten.

Auch in ländlichen Gemeinden und mittelgroßen Städten sei eine höhere Sensibilität für die Problematik zu spüren, sagte Jordan. Der Leitfaden "Den Kältetod von Wohnungslosen verhindern", der Kommunen und Sozialeinrichtungen Handlungsempfehlungen gibt, werde derzeit intensiv nachgefragt. Der Leitfaden ist auf der Internetseite der BAGW abrufbar.

Auch viele Bürger meldeten sich mit der Frage, wem sie von Kälte bedrohte Obdachlose melden könnten. Angerufen werden könnten immer die Polizei unter der Telefonnummer 110 und der Rettungsdienst unter 112, so Jordan.

In diesem Winter gibt es nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft bislang ein Todesopfer zu beklagen. In Magdeburg war am vergangenen Donnerstag ein Obdachloser auf einer Bank tot aufgefunden worden, der offenbar in der Nacht erfroren war. Zeitungsmeldungen über fünf weitere Todesopfer hätten sich bislang nicht bestätigt, sagte Jordan. "Dieser eine ist schon einer zu viel, aber wir haben die Hoffnung, dass es keine weiteren Opfer gibt."

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind nach Angaben der BAGW in Deutschland mehr als 270 Wohnungslose erfroren. Nach Schätzungen haben mehr als 248.000 Menschen keinen Wohnsitz. Rund 22.000 von ihnen leben auf der Straße.

epd ost bep jh