Kirche
Uni Leipzig gedenkt Sprengung ihrer Kirche vor 50 Jahren
Leipzig (epd). Mit einem Gedenktag erinnert die Universität Leipzig Ende Mai an die Sprengung ihrer ehemaligen Kirche St. Pauli vor 50 Jahren. Dazu stehen am 30. Mai im Paulinum der Universität ein Gedenkgottesdienst, ein Konzert und ein wissenschaftliches Kolloquium auf dem Programm, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Die alte Universitätskirche war am 30. Mai 1968 auf Geheiß des DDR-Regimes gesprengt worden.

In dem Gedenkgottesdienst wird den Angaben zufolge Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing die Predigt halten. Für die Musik sorgt der Leipziger Thomanerchor. Bei dem Konzert am Abend wird eine Komposition von Universitätsorganist Daniel Beilschmidt uraufgeführt, die von der Stiftung Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig in Auftrag gegeben wurde.

Auf dem Kolloquium am Nachmittag sollen laut Universität "neue Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart dieses für Universität und Stadt zentralen Ortes" gewonnen werden. Neben der Paulinerkirche stehen demnach auch andere ostdeutsche Baudenkmäler "zwischen Zerstörung, Rekonstruktion und Reinterpretation" im Fokus.

Universitäts-Rektorin Beate Schücking sagte, sie freue sich, dass die Veranstaltungen erstmals komplett im Paulinum stattfinden könnten. Der Bau halte das Gedenken an die Universitätskirche wach und sei "zugleich ein Ort des regen geistigen, musikalischen und geistlichen Universitätslebens". Universitätsprediger Peter Zimmerling sagte, die Sprengung des Gotteshauses habe sich tief in das kollektive Gedächtnis der Leipziger eingeprägt. "Dass es nach 50 Jahren eine neue Universitätskirche gibt, bietet die große Chance, diese Verletzung zu heilen", betonte der Pfarrer.

Der Nachfolgebau am Leipziger Augustusplatz wird zugleich als Kirche und Universitätsaula genutzt und war im Dezember feierlich eröffnet worden. Seine Fassade nimmt Bezug auf das historische Vorbild, im Inneren erinnern Orgelempore und Gewölbedecke an den gotischen Vorgängerbau. Der Altarraum ist klimatisiert und durch eine Glaswand von dem bestuhlten Aula-Teil abgetrennt. Hinter der Wand, die bei Bedarf geöffnet werden kann, finden sich ein spätgotischer Wandelaltar und 26 wertvolle Epitaphe aus der alten Kirche. Der geplanten Mehrfachnutzung des Baus waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen.

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