Umwelt
Umweltstiftung übernimmt Gelände der einstigen NS-Militäranlage in Peenemünde
Peenemünde (epd). Das Gelände der Heeresversuchsanstalt der Nazis in Peenemünde gehört jetzt zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Wie die Stiftung am Donnerstag in Osnabrück mitteilte, ist das 2.100 Hektar große Gebiet im Norden der Insel Usedom von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übernommen worden. Zur Fläche gehören das Gebiet östlich des Flughafens in Peenemünde sowie die Insel Ruden und die Halbinsel Struck.

Auf dem ehemaligen Militärgebiet, auf dem unter Regie der Nazis unter anderem die V2-Rakete entwickelt wurde, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten eine hohe Artenvielfalt entwickelt. Künftig sollen sich Förster und Interessengruppen auf der Fläche "für Naturschutz und die Vermittlung eines positiven Naturbewusstseins einsetzen", erklärte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde.

Er ist gleichzeitig Geschäftsführer der DBU Naturerbe GmbH, die als Tochter der Stiftung als Eigentümerin des ehemaligen militärischen Sperrgebiets fungiert. Flächenbetreuer wird den Angaben zufolge der Biologe Uwe Fuellhaas. Zudem soll zeitnah ein Beirat mit lokalen Akteuren berufen werden.

In Peenemünde unterhielt das NS-Regime eine Heeresversuchsanstalt, die als größtes militärisches Forschungszentrum weltweit galt. Unter anderem entstand ein Kraftwerk, dessen erzeugte Energie in die Produktion von flüssigem Sauerstoff floss, der für die V2-Rakete der Nazis als Treibstoffkomponente diente. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die NVA das Gelände für militärische Zwecke. Das Kraftwerk war bis 1990 in Betrieb. Heute erinnert das Historisch-Technische Museum an die Geschichte der Inselgemeinde.

In Peenemünde arbeiteten Schätzungen zufolge Anfang der 40er Jahre mehr als 10.000 Wissenschaftler, Ingenieure, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in einem 25 Quadratkilometer großen Rüstungskomplex unter der Regie der Wehrmacht. Ziel war die Entwicklung, Produktion und der Einsatz neuartiger sogenannter "Vergeltungswaffen".

epd ost co/ah bue