Soziales
Studie: Intersexuelle werden weltweit diskriminiert
Berlin (epd). Intersexuelle Menschen werden einer neuer Studie zufolge weltweit diskriminiert. Oftmals würden sie als "krank" oder "abnorm" wahrgenommen und Menschenrechtsverletzungen an ihnen seien leider die Regel, heißt es in der von der Heinrich-Böll-Stiftung am Montag veröffentlichten Untersuchung "Menschenrechte zwischen den Geschlechtern. Vorstudie zur Lebenssituation von Inter Personen". Das betreffe auch ihre Situation in Deutschland.

Der Autor Dan Christian Ghattas hat für die Studie intersexuelle Aktivisten in zwölf Ländern nach den Lebenslagen von intergeschlechtlichen Menschen befragt und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung ihrer Situation zusammengefasst. "Wir wollen dieses tabuisierte Thema nicht nur ausleuchten, sondern Lösungen anbieten", erklärte Stiftungs-Vorstand Barbar Unmüßig am Montag in Berlin.

Nicht wenigen wird laut der Studie schon im Säuglingsalter durch operative Eingriffe das männliche oder weibliche Geschlecht zugewiesen. Eine medizinische Notwendigkeit bestehe jedoch nicht, erklärte Autor Dan Christian Ghattas. In der Regel seien intergeschlechtliche Menschen völlig gesund. Die medizinischen Behandlungen fänden - gerade wenn sie in jungen Jahren vorgenommen werden - so gut wie immer ohne Zustimmung der Betroffenen statt. Häufig würden diese später schwer an den psychischen und physischen Folgen der ärztlichen Eingriffe leiden.

Die Ausbildung einer eigenen geschlechtlichen Identität, die sich zwischen dem gesellschaftlich dominierenden bipolaren Geschlechtermodell männlich/weiblich verorten kann, bleibe ihnen so meist versagt, kritisiert Ghattas. Dass Intergeschlechtlichkeit als medizinisches Thema verhandelt werde, bezeichnet er als fatal: "Die Frage, ob man menschliche Körper mit medizinischen Mitteln an Normvorstellungen der Gesellschaft anpassen darf, wenn dies nicht von der betroffenen Person ausdrücklich gewünscht wird, geht weit über die Kompetenz der Medizin hinaus und ist zweifelsfrei ein Menschenrechtsthema."

Intergeschlechtliche Personen sind Menschen, die sich im Hinblick auf ihr chromosomales oder anatomisches Geschlecht nicht in die medizinische Norm sogenannter "männlicher" und "weiblicher" Körper einordnen lassen. In Deutschland wird in einem ersten Schritt von November an auf Wunsch auf die Eintragung des Geschlechts weiblich/männlich im Geburtsregister verzichtet.

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