Soziales
Studie: Berliner Partyvolk will Aufklärung über Drogen
Senat will nach Charité-Umfrage Prävention ausbauen
Berlin (epd). Der Berliner Senat will auf den Drogen-Konsum in Clubs und Partylocations mit neuen Beratungsangeboten reagieren. Grund sei der hohe Konsum riskanter Drogen in der Berliner Partyszene, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung einer Studie über den Drogengebrauch von Clubbesuchern. Demnach gehört für viele Partygänger der Konsum von Alkohol, Zigaretten und illegalen Substanzen zum Vergnügen dazu. An vorderster Stelle stehen bei den illegalen Drogen Cannabis, Speed, Ecstasy und Kokain. Gleichzeitig sei aber der Wunsch nach mehr Aufklärung und Prävention stark ausgeprägt, hieß es. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Clubbesucher wie auch der Clubbetreiber hätten sich dafür ausgesprochen.

Für die nicht repräsentative Studie der Charité im Auftrag der Senatsgesundheitsverwaltung wurden zwischen August und Dezember vergangenen Jahres 877 Menschen im Alter zwischen 17 und 69 Jahren befragt, darunter 15 Experten in Intensiv-Interviews. Ein Drittel der Fragebögen wurde vor Ort in Clubs oder in den Warteschlangen davor ausgefüllt, der Rest online, sagte die Landessuchtbeauftragte Christine Köhler-Azara.

Am häufigsten sprachen sich Partygänger wie Drogenexperten für das sogenannte Drugchecking vor Ort aus, betonte Felix Betzler von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, der die Studie geleitet hat. Dabei können Konsumenten ihre Drogen auf Verunreinigungen überprüfen lassen.

Allerdings stößt das in anderen Ländern wie etwa der Schweiz, Österreich und den Niederlanden praktizierte Verfahren in Deutschland noch auf rechtliche Vorbehalte, sagte Kolat. Sie sei deshalb mit der Justizverwaltung und der Staatsanwaltschaft im Gespräch. Dabei gehe es um den verbotenen Besitz von Substanzen und um die Haftungsfrage bei überprüften Drogen. Kolat zufolge stehen für neue Aufklärungs- und Beratungsangebote dieses und nächstes Jahr 300.000 Euro zur Verfügung.

Fast neun von zehn Befragten (87,7 Prozent) hatten den Angaben zufolge in den zurückliegenden 30 Tagen Alkohol getrunken und 72,3 Prozent Zigaretten geraucht. Mehr als 60 Prozent konsumierten in diesem Zeitraum mindestens einmal Cannabis, rund die Hälfte nahm Ecstasy und Amphetamine wie "Speed". Rund ein Drittel der Befragten konsumierte Kokain. LSD war mit zwölf Prozent und das aus Lösungsmitteln hergestellte Liquid Ecstasy (GHB/GBL) mit 9,4 Prozent vertreten. Heroin, Crystal Meth und sogenannte Legal Highs, die unter anderem als Badezusätze und Räuchermischungen verkauft werden, spielten in der Partyszene dagegen kaum eine Rolle, hieß es. Im Bundesdurchschnitt haben laut Köhler-Azara nur knapp sechs Prozent der Bevölkerung in einem 30-Tage-Zeitraum entsprechende Drogen konsumiert.

Zur Motivation für den Konsum der illegalen Substanzen gab rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten positive Stimmungsveränderungen an, 17 Prozent das Intensivieren von Aktivitäten wie Tanzen oder die Steigerung der Konzentration, 16 Prozent das Wachbleiben und Durchhalten sowie acht Prozent soziale Gründe wie bessere Kommunikation und Enthemmung. Laut Köhler-Azara gab es bislang wenig gesicherte Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse über den Konsum von Alkohol und illegalen Substanzen in der Party-Hauptstadt Berlin. Die aktuelle Studie werfe jetzt zumindest ein Schlaglicht auf die Szene, hieß es.

epd ost phi yj