Soziales
Straßenkinder fordern mehr bedingungslose Unterstützung
Berlin (epd). Straßenkinder wünschen sich mehr Unterstützung von der Politik. So solle es auch in Deutschland nach dem Modell "Housing First" aus Dänemark geschützten und bedingungslosen Wohnraum für Kinder und Jugendliche geben, die auf der Straße leben, forderten sechs Vertreter der dritten Konferenz der Straßenkinder am Montag in Berlin von Familienministerin Katarina Barley (SPD). Außerdem sollten mehr Straßenjugendliche zu Sozialarbeitern ausgebildet werden.

Rund 80 Straßenkinder und -jugendliche aus Notschlaf- und Erstanlaufstellen in ganz Deutschland waren am Wochenende zur dritten Straßenkinderkonferenz im brandenburgischen Jamlitz zusammengekommen. Zu den Veranstaltern gehörten der Verein Karuna, der sich für sogenannte "entkoppelte Jugendliche" einsetzt, und der Verein Momo, wo sich ehemalige Straßenkinder organisieren. Nach Angaben von Karuna sind derzeit 37.000 Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre in Deutschland ohne festen Wohnsitz.

Viele Straßenjugendliche hätten schlechte Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht, hieß es. Ein Großteil der Sozialleistungen sei elternabhängig und könne nur dann gewährt werden, wenn die Kinder wieder bei den Eltern einziehen. Außerdem seien die Bedingungen in Wohneinrichtungen für Jugendliche oft überfordernd für Straßenkinder. "Die Kinder und Jugendlichen von der Straße brauchen langfristige, verbindliche Beziehungen", betonte Jörg Richert, Geschäftsleiter von Karuna. "Housing-First"-Projekte wie die Sozialgenossenschaften von Karuna könnten Vorbild sein. Dort leben Straßenkinder und -jugendliche sowie andere Menschen familienähnlich zusammenleben.

Da viele Straßenkinder keine Bildungsabschlüsse hätten, könnten sie auch nicht als Sozialarbeiter arbeiten, hieß es weiter. Die Vertreter der Konferenz schlugen ein Modellprojekt vor, bei dem ehemalige Straßenjugendliche im Tandem mit Sozialarbeitern drei Jahre lang aufsuchende Sozialarbeit leisten und danach an einer Hochschule Soziale Arbeit studieren können.

Ein weiterer Vorschlag der Konferenz ist, dass Werbeträger einen bestimmten Prozentsatz Sozialwerbung schalten müssen, nach dem Vorbild des sozialen Wohnungsbaus. So könnten Kinderrechte, Einrichtungen der Jugendhilfe und Ombudsstellen, bei denen Kinder und Jugendliche sich beschweren können, beworben werden, hieß es.

Schon auf den ersten beiden Straßenkinderkonferenzen in den vergangenen beiden Jahren formulierten die Straßenjugendlichen Forderungen an die Politik, die nach Veranstalterangaben allerdings nicht umgesetzt wurden.

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