Kirche
Sorbische Osterreiter ziehen Tausende Schaulustige an
Bautzen/Görlitz (epd). Rund 1.600 Osterreiter haben am Sonntag an Prozessionen in der Oberlausitz teilgenommen. In Gehrock und Zylinder verkündeten sie in mehreren Dörfern und in Bautzen die Botschaft von der Auferstehung Jesu. Die Polizei zählte fast 28.000 Zuschauer auf den Plätzen vor den Kirchen und entlang der Straßen zwischen den Ortschaften der sächsischen Oberlausitz. Die Prozessionen seien störungsfrei verlaufen, teilte die Polizeidirektion Görlitz am Montag mit.

Traditionell ist der Brauch der katholischen Sorben den Männern vorbehalten. Singend und betend zogen sie am Sonntag in neun Osterreiter-Prozessionen durch die sächsische Oberlausitz. Die Umritte haben eine teilweise mehr als 500-jährige Tradition. In Radibor begrüßte der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, die Osterreiter.

Zudem fand in Sachsen das ökumenische Ostersaatreiten von Ostritz ins Zisterzienserinnenkloster Sankt Marienthal statt. Dabei bitten die Reiter auch um ein gutes Wachstum der Saat auf den Feldern.

Evangelische Christen im Spreewald zelebrierten ebenfalls ein Ostereiten. Der Weg der rund 20 bis 30 Teilnehmer führte von der Kirche in Lübbenau-Zerwitz (Brandenburg) über mehrere Dörfer. An drei Stationen versammelten sich Hunderte Menschen zu Andachten. Das evangelische Osterreiten im Spreewald fand zum 20. Mal statt.

Bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurden zwischen Hoyerswerda und Wittichenau solche Reiter-Prozessionen veranstaltet. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück. Durch Feldumritte glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelten sich die Ritte wohl in christliche Prozessionen, die heute ein öffentliches Bekenntnis zum Christentum darstellen.

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