Umwelt
Sechs Nachkommen von Hund und Wolf sollen getötet werden
Erfurt/Ohrdruf (epd). Die Wölfin auf dem Ohrdrufer Truppenübungsplatz (Landkreis Gotha) ist nicht mehr allein unterwegs. Sie werde auf ihren Streifzügen von sechs Jungtieren begleitet, teilte das Thüringer Umweltministerium am Donnerstag in Erfurt mit. Das habe die Auswertung von Aufnahmen aus Fotofallen ergeben. Bei den Nachkommen handele es sich nach Information der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zweifelsfrei um Hybride, also eine Kreuzung aus Wolf und Haushund. Die vier weiblichen und zwei männlichen Jungtiere würden auf ein Alter von etwa fünf Monaten geschätzt.

Nach Rücksprache mit den Experten der DBBW werde nun die Tötung der Welpen vorbereitet. Die Empfehlung der Experten sei eindeutig; aus Artenschutzgründen müssten die Jungtiere "aus der Natur entnommen werden", hieß es aus dem Ministerium. Nur so könne die Wildtierpopulation Wolf vor dem Eindringen von Haushund-Genen geschützt werden. Da der Aktionsradius der Tiere schnell wachse und sie bereits im Winter geschlechtsreif würden - und dann auch eigene Reviere suchten - müsse möglichst schnell gehandelt werden.

Ein Betäuben der Tiere und ihr Transport in ein Gehege sei aus Sicht der DBBW keine tierschutzgerechte Alternative. Erfahrungen aus Sachsen zeigten, dass die dort gefangenen Hybridwelpen sehr unter der Gehege-Haltung gelitten hätten, rechtfertigte Thüringens oberste Naturschutzbehörde die geplante Tötung. Für die "letale Entnahme der Wolf-Hybriden" würden nun die arten- und tierschutzrechtlichen Voraussetzungen geschaffen.

Seit Anfang Juli 2017 hatten sich die Übergriffe auf Nutztiere rund um den Standortübungsplatz Ohrdruf gehäuft. Insgesamt seien dort inzwischen 65 Schafe und 14 Ziegen gerissen worden oder mussten nach den Attacken notgetötet werden. In zwei von 13 Fällen konnte nach Ministeriumsangaben die Ohrdrufer Wölfin mittels DNA-Analyse eindeutig als Verursacherin nachgewiesen werden.

In den vergangen Wochen hatten Schäfer und Land Lösungen für eine einen besseren Schutz der Herden verabredet. So habe das Umweltministerium den Schäfern kostenlos mehrere Zaun-Sets leihweise zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus bewachten seit wenigen Tagen angemietete Herdenschutzhunde die Schafe in der Nacht, so die Landesbehörde.

Die Thüringer CDU forderte, rechtliche Grundlagen zur Regulierung von Wolfsbeständen zu schaffen. Das sei nötig, "bevor unbeherrschbare Situationen entstehen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion, Egon Primas. Eine Wolfsverordnung müsse auch eine sogenannte Schutzjagd ermöglichen. "Die Vergrämung und gegebenenfalls auch der Abschuss von Wölfen mit problematischem Verhalten muss klar geregelt werden", erklärte der CDU-Politiker.

epd ost dl bue