Kirche
Prior von Taizé ruft Menschen zu mehr Solidarität untereinander auf Jugendtreffen ist Vorhut der Ökumene
Berlin (epd). Der Prior der Bruderschaft von Taizé, Bruder Alois, hat die Menschen in Europa zu größerer Solidarität untereinander aufgerufen. Es sei ein großartiges Zeichen, dass in Zeiten wirtschaftlicher Probleme bis zu 30.000 Menschen in Berlin zum Europäischen Jugendtreffen zusammen kommen und für ein gemeinsames Europa einstehen wollen, sagte Bruder Alois am Mittwoch der Nachrichtenagentur epd.

Der Funke, der vom Gemeinschaftserlebnis des Jugendtreffens und der Gastfreundschaft in den Berliner Gastfamilien in die Gesellschaft überspringen soll, heiße "Solidarität ist möglich". Zwischenmenschliche Solidarität brauche dabei ständige Erneuerung und Verjüngung durch neue Ausdrucksweisen, sagte Alois.

Das Motto des diesjährigen Taizé-Jugendtreffens heißt "Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität". Nach der Eröffnung am Mittwochabend sind bis zum 1. Januar gemeinsame Gebete und Veranstaltungen geplant.

Obwohl die Kommunikation immer leichter werde, blieben die Gesellschaften abgeschottet und zerstückelt, sagte Alois. Vielleicht mehr als je zuvor in der Geschichte sei es heute wichtig, dass sich die junge Generation für eine gerechte Verteilung der Reichtümer zwischen den Erdteilen und innerhalb jedes Landes einsetze.

Zugleich forderte er die Christen in den verschiedenen Konfessionen auf, aufeinander zuzugehen. Für Christen, die etwa wie in Berlin eine Minderheit darstellen, sei ein gemeinsames Zeugnis und ökumenisches Engagement unvermeidlich. Das Europäische Jugendtreffen, zu dem Jugendliche aus allen europäischen Ländern und aus den verschiedensten Konfessionen und Religionsgemeinschaften zusammengekommen sind, sei eine Vorhut der ökumenischen Bewegung, sagte Alois.

Dies solle in den kommenden Tagen gezeigt werden: "Es verbindet uns vielmehr als uns trennt, was aber in unserem Kirchenalltag oft nicht so zum Ausdruck kommt, da kommt eher das Trennende zum Ausdruck." "Wir wollen die Einheit in einer Ökumene des Gebets vorwegnehmen." Dies sei wichtig in einer Zeit, "wo die theologischen Dialoge oft ins Stocken kommen".

Der aus Deutschland stammende Bruder Alois leitet seit 2005 die Bruderschaft im französischen Taizé nahe Cluny im Burgund. Jährlich kommen mehrere Tausend Menschen aus der ganzen Welt dorthin, um für eine Woche gemeinsam mit den rund 100 Brüdern zu singen, zu beten und zu arbeiten. Der 57-jährige Alois ist Nachfolger des Gründers von Taizé, Roger Schutz, der im August 2005 als 90-Jähriger beim Abendgebet von einer psychisch kranken Frau tödlich verletzt wurde.

Die besondere Attraktivität Taizés begründete Bruder Alois mit dem Gemeinschaftserlebnis, das Menschen über kulturelle Unterschiede hinweg dort erleben könnten. Kirche werde als Ort der Freundschaft wahrgenommen, wo Menschen aus allen Erdteilen zusammenkommen.

epd ost phi bue

epd-Gespräch: Lukas Philippi