Ethik
Platzeck und Fritsch rufen zu Kampf gegen Rechtsextremismus auf
Oranienburg/Potsdam (epd). Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) haben zum Holocaust-Gedenktag zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und zur stetigen Erinnerung an die Opfer aufgerufen. Auschwitz bleibe "Mahnung, dass wir allen Formen rechtsradikaler Hetze in Worten und Taten entschieden gegenübertreten müssen", erklärte Platzeck am Freitag in Potsdam. Wer sich aktiv gegen Rechtsextremismus einsetze, verdiene "Respekt und jedwede Unterstützung".

"Zugleich empfinden wir Scham und Zorn darüber, dass in den zurückliegenden Jahren Rechtsterroristen eine Mordspur durch Deutschland ziehen konnten", betonte Platzeck. Auch diese Opfer geistiger Nachfolger der Vernichtungsideologie des Nationalsozialismus dürften nicht vergessen werden.

Wie aktuell die Forderung zur intensiven Bekämpfung des Rechtsextremismus sei, zeige die rechtsterroristische Mordserie, die "ganz Deutschland erschüttert hat", sagte Fritsch bei einer Gedenkveranstaltung des Landtags und der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen am Freitag laut Redemanuskript in Oranienburg.

Im Mittelpunkt der Gedenkfeier standen in diesem Jahr 250 jüdische Opfer einer NS-Mordaktion, die vor 70 Jahren im KZ Sachsenhausen hingerichtet wurden. "Mit diesem Gedenken halten wir die Erinnerung an die Geschichte wach und verneigen uns vor allen Opfern des menschenverachtenden Nationalsozialismus", sagte Fritsch. Dabei gehe es nicht nur um Schuldbekenntnisse, sondern darum, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, damit sie sich nicht wiederholt.

Der Kampf gegen den Rechtsextremismus dürfe nicht den dafür zuständigen staatlichen Stellen überlassen werden, sondern müsse von der Gesellschaft getragen werden, betonte Fritsch. Erfolge seien dabei besonders dann möglich, wenn die Menschen verstünden, dass die Ideologie der Rechtsextremisten, die die Gleichwertigkeit aller Menschen leugne und zu den NS-Massenmorden geführt habe, ein Angriff auf die Grundlagen eines zivilisierten und demokratischen Zusammenlebens sei.

Die Erinnerung an das, was der Rechtsextremismus im vergangenen Jahrhundert angerichtet habe, müsse dauerhaft aufrecht erhalten werden, betonte Fritsch. Dies sei keine historische Last, sondern eine große Chance. "Unserer Jugend muss vermittelt werden, wozu es führen kann, wenn die Gleichwertigkeit aller Menschen in Frage gestellt wird."

Weitere Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar waren in Brandenburg im Lauf des Tages unter anderem in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, in Potsdam, Brandenburg an der Havel, Frankfurt an der Oder, Eberswalde und an anderen Orten geplant. Das NS-Vernichtungslager Auschwitz wurde am 27. Januar 1945 von der sowjetischen Armee befreit.

epd ost yj bue

Bilder zum Thema finden Sie bei epd-Bild