Umwelt
Pflanzen blühen weltweit immer früher
Jena (epd). Die globalen Klimaveränderungen lassen Gräser, Kräuter, Sträucher und Bäume immer früher blühen. Das habe ein Vergleich von über 550 Pflanzenarten an 18 Standorten weltweit ergeben, teilte die Universität Jena am Dienstag mit. Das gelte allerdings nicht für alle Pflanzen: Eine von statistisch fünf Arten verschiebe die Öffnung der Blüten dagegen zeitlich nach hinten.

Für die Untersuchungen hatten Jenaer Forscher der Arbeitsgruppe Biodiversität der Pflanzen den Angaben zufolge auch das japanische Kirschblütenfest genauer unter die Lupe genommen. Das fernöstliche Frühlingsfest mit seiner langen Tradition werde seit über 1.000 Jahren dokumentiert. "Aus solchen Aufzeichnungen, aber auch zahlreichen anderen Beobachtungsreihen, wissen wir, dass es in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten gravierende Veränderungen im Einsetzen der Baumblüte gegeben hat", sagte die Jenaer Botanikerin Christine Römermann. So würden die Kirschblüten in Japan seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer früher austreiben. Ein Phänomen, das sich auch in unseren Breiten beobachten lasse.

Die stärkste Verschiebung des Blühbeginns hätten die Forscher neben Bäumen an Sträuchern registriert. Spitzenreiter sei dabei ein Zwergstrauch - die Vierkantige Schuppenheide, die in Grönland wächst - gewesen. Sie habe das Öffnen ihrer Blüten in den zurückliegenden zehn Jahren um ganze drei Wochen vorverlegt, berichtete Patrizia König, die maßgeblich an der Arbeit beteiligt war. Ihr Fazit: Je kleiner die Pflanze, umso deutlicher die Verschiebung des Blühbeginns.

Wahrscheinlich wollten sie so der großwüchsigen Konkurrenz zuvorzukommen, vermuten die Jenaer Experten. Auch schnellwachsende Kräuter und Gräser öffneten ihre Blüten signifikant früher als "langsamere" Arten. Insgesamt, so Römermann, mache die Studie deutlich, dass die funktionellen Merkmale einer Pflanze ihr Anpassungsverhalten an veränderte Umweltbedingungen bestimmten. "Diese Erkenntnisse können uns helfen, künftige Veränderungen im Wachstum von Pflanzen besser vorherzusagen", fügte sie hinzu.

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