Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte die rasche Ernennung Woelkis als Zeichen der Wertschätzung für die Bundeshauptstadt. Er habe Kirchenvertreter bereits darauf hingewiesen, "dass Berlin jetzt wieder rot geworden ist", sagte er mit einer ironischen Anspielung auf das rote Kardinalsbirett beim Empfang des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch zu Ehren der neuen Purpurträger. Woelki habe sich offen für den Dialog gezeigt, der in einer Stadt mit einer Vielfalt an Religionen und Lebensweisen besonders wichtig sei.
Woelki betonte seinerseits die eigene Wertschätzung für den Berliner Bürgermeister. Das beiderseitige Verhältnis sei "sehr unkompliziert". Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge unterstrich als Mitglied in Woelkis Delegation die Notwendigkeit neuer Impulse für die Ökumene. Er schenkte dem Erzbischof zu seiner Kardinalsernennung ein evangelisches Gebetbuch und wünschte ihm, dass er den Papst künftig "aus dem Land der Reformation" berate.
Bei einem Empfang in der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl wollte Woelki nach einem vorab verbreiteten Redemanuskript am Abend seine Erhebung zum Kardinal auch als "Auszeichnung für die Katholiken, die in der DDR ihren Glauben bekannt haben" würdigen. Die Kirche sei in der aktuellen Staatsschuldenkrise aufgefordert, "ihr Gewicht öffentlich für jene in die Waagschale zu werfen, deren Kräfte nicht reichen, um selbst auf ihre Not aufmerksam zu machen".
Zu Woelkis Diözese gehören rund 390.000 Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erklärte in einer Grußbotschaft, Woelkis Kardinalserhebung werde seinem Wort überall da, wo es um Recht und Würde des Menschen geht, weiteres Gewicht verleihen. Der Greifswalder evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit betonte, mit dem Kardinalsrang übernehme der Berliner Erzbischof nun auch Verantwortung für die Gesamtheit der katholischen Kirche und bringe so die Interessen und Sichtweisen der Region in das weltweite Gespräch ein.
Von den aktuell 213 Kardinälen sind derzeit 125 unter 80 Jahre alt und damit berechtigt, an einem Konklave zur Wahl eines neuen Papstes teilzunehmen. Von den 22 neuen Purpurträgern stammen 16 aus Europa, darunter sieben Italiener. Neben dem Berliner Erzbischof berief der Papst auch die Erzbischöfe von Florenz, New York, Prag, Utrecht und Toronto in den "Senat" der katholischen Kirche.
Der andere neue deutsche Kardinal, der aus Köln stammende Theologe Becker, lehrte bis zu seiner Emeritierung an der römischen Jesuitenuniversität Gregoriana. Benedikt hatte den langjährigen Berater der vatikanischen Glaubenskongregation zuletzt in die Expertenkommission für die Gespräche mit der traditionalistischen Pius-Bruderschaft berufen.
epd ost bep mg

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