Ethik
Neuer juristischer Streit um Leichen-Museum
Gericht will am Mittwoch Entscheidung verkünden
Berlin (epd). Das Berliner Verwaltungsgericht hat sich am Dienstag in mündlicher Verhandlung mit dem umstrittenen "MenschenMuseum" befasst. Das Gericht will am Mittwochnachmittag seine Entscheidung über die Zukunft der Ausstellung mit präparierten Leichen und Körperteilen bekanntgeben. Die Museumsbetreiber um den bekannten Leichenplastinator Gunther von Hagens hatten sich mit ihrer Klage gegen ein Verbot der Ausstellung durch das Berliner Bezirksamt gewandt. Das Museum hat zwar seit Februar 2015 geöffnet, seit bald drei Jahren gibt es darum aber ein juristisches Tauziehen.

Im Zentrum der mehrstündigen Verhandlung stand am Dienstag die Frage, inwieweit die Herkunft der gezeigten Ganzkörperplastinate und Körperteile nachweisbar ist. Zudem wollte das Gericht klären, ob die Einwilligungserklärungen sogenannter Körperspender ausreichend für die spätere Verwendung der Leichen sind. Dabei ging es etwa um die Frage, ob den Körperspendern zu Lebzeiten bewusst war, wie ihr Körper oder Teile davon präsentiert werden.

Der Bezirk bezweifelt, dass die Exponate auf einzelne verstorbene Körperspender zurückzuführen sind und argumentiert unter anderem mit dem "postmortalen Persönlichkeitsrechten" der Verstorbenen. Dagegen legten die Museumsbetreiber, das Heidelberger "Institut für Plastination", dar, wie die Herkunft der einzelnen Leichen auch nach der Präparation nachweisbar sei. Dabei wurde auch ein einzelnes plastiniertes Herz dem Gericht präsentiert, an dem ein Anhänger mit einer Produktionsnummer befestigt war. Diese Nummer soll auf den einstigen Körperspender verweisen.

Zugleich gaben die Museumsbetreiber aber zu, dass von 13 derzeit in der Berliner Ausstellung gezeigten Ganzkörperplastinaten nur drei eindeutig auf verstorbene Personen zurückzuführen sind.

Bereits Ende 2014 hatten die Museumsbetreiber erfolgreich gegen das Bezirksamt geklagt. Dabei ging es um eine Ausnahmegenehmigung zur Ausstellung von Leichenplastinaten, die das Bezirksamt mit Verweis auf das Bestattungsgesetz verweigert hatte. In zweiter Instanz unterlagen die Museumsbetreiber im Dezember 2015 vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG), das Auflagen für den weiteren Betrieb der Ausstellung machte. Daraufhin untersagte zunächst das Bezirksamt 2016 die Ausstellung und drohte zunächst mit einem Zwangsgeld von 6.000 Euro täglich.

Im aktuellen Verfahren wenden sich nun die Kläger nun gegen das Verbot mit der Begründung, die Vorgaben aus dem OVG-Urteil für eine öffentliche Präsentation von Leichen erfüllt zu haben. So fungiere mit dem "Institut für Plastination" inzwischen ein wissenschaftlicher Träger - wie vom Berliner Bestattungsgesetz gefordert - und die inzwischen ausgetauschten Exponate seien individuellen Körperspendern und deren Einwilligungserklärungen zuzuordnen.

Das Heidelberger Institut wird von der Ehefrau des Plastinators Gunther von Hagens, Angelina Whalley, geleitet. Von Hagens, der am Dienstag in der Gerichtverhandlung anwesend war, wurde durch seine "Körperwelten"-Wanderausstellungen berühmt. Die Eröffnung des "MenschenMuseums" unter dem Berliner Fernsehturm war von Kirchen und Teilen der Politik heftig kritisiert worden. Zu sehen sind bis zu 200 Teilkörper-Plastinate und bis zu 20 Ganzkörperplastinate. In Heidelberg plant das "Institut für Plastination" derzeit eine weitere Dauerausstellung.

epd ost phi bue