Kultur
Nach 86 Stunden: Thüringer Extremsportler erreicht Rom
Rom/Erfurt (epd). Der Thüringer Extremsportler Guido Kunze hat am Dienstagnachmittag nach 86 Stunden - und damit früher als geplant - Rom erreicht. Der 51-Jährige war am Samstag vom Erfurter Augustinerkloster mit seinem Rad auf die etwa 1.600 Kilometer lange Tour gestartet. Am Mittwoch hoffe er bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz, bei der er in der ersten Reihe sitzt, ein paar Worte mit Papst Franziskus wechseln zu können, bekräftigte Kunze am Dienstag gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei will er ihm auch die Wortmeldungen junger Katholiken und Protestanten aus seiner Heimatstadt überreichen. Deren ökumenisches Projekt ist mit "Uns eint mehr, als und trennt" überschrieben.

Kunze folgte bei seinem Trip der Route, die Martin Luther (1483-1546) vor über 500 Jahren genommen haben soll. Wann das genau war, können die Historiker nicht mit Sicherheit sagen, die entweder von 1510 oder 1511 ausgehen. Auch der Zweck der Reise des Reformators, die früher mit der Schlichtung eines Streites seines Augustiner-Ordens in Verbindung gebracht wurde, liegt im Dunkel der Geschichte. Luther selbst hatte sich bei seinen Wittenberger Tischreden wiederholt auf die Eindrücke einer Reise nach Rom bezogen.

Allerdings musste Guido Kunze Abstriche von seiner ursprünglich geplanten Route machen: Nach 38 Stunden Dauerregen - "so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt", betonte er - zwang ihn der frühe Schnee auf dem gesperrten 2.310 Meter hohen Septimerpass in den Alpen zu einem Umweg. Mit dem Zug ging es zunächst nach St. Moritz, danach, weil die Strecke für private Fahrten nach den verheerenden Schlammlawinen der vergangenen Woche nicht genutzt werden durfte, mit dem Bus nach Italien.

Die vermeintlich leichten 50 Kilometer ohne eigenes Treten in die Pedale kosteten Kunze dennoch Zeit. Weil das Wetter aber so schlecht war, fuhr er einfach weiter. Nur einmal habe er für vier Stunden Schlaf an einer Pension gestoppt, um wenigstens seine durchweichten Sachen zu trocknen, berichtete der Sportler. Die ewige Stadt habe er so vier Stunden früher als berechnet erreicht.

Der Thüringer Extremsportler, der Rekorde auf dem Rad wie die schnellste Durchquerung Australien oder das Erreichen von 6.233 Meter Höhe in den Anden hält, zeigte sich schnell von den Strapazen erholt. Er freue sich über das Wiedersehen mit seiner Familie, sagte Kunze. Zudem lasse die aufkommende Spannung vor dem Treffen mit Franziskus die kleineren Wehwehchen vergessen, fügte er schmunzelnd hinzu.

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