Er gilt als das erste und umfassendste protestantische Altargesamtwerk aus den Händen des Älteren und Jüngeren Cranach. Weitere sind in Wittenberg und Weimar. Elf der zwölf zwischen 1532 und 1539 für Schneeberg gemalten Tafeln haben die völlige Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg überstanden. Nach langwieriger Sanierung wurde der Altar 1996 geweiht. Die Hallenkirche selbst konnte bereits zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut werden.
Nicht nur der Altar, auch der Innenraum der sächsischen Kirche sei im Geist der Reformation errichtet, sagt der evangelisch-lutherische Pfarrer Frank Meinel. "Schön, hell, klar und nüchtern" beschreibt er ihn. Typisch sei auch die umlaufende Empore. Selbst um den Flügelaltar kann rundherum gelaufen werden. Beim sonntäglichen Abendmahl in der Gemeinde werde das noch immer praktiziert.
Schneeberg kommt in der Kirchengeschichte durchaus eine bedeutende Rolle zu, sagt der Theologe. Nur ein Jahr nach Martin Luthers Thesen in Wittenberg habe die Reformation in der sächsischen Bergstadt Fuß gefasst. Von 1519 bis 1521 wirkte Luthers Freund Nicolaus Hausmann als Prediger vor Ort.
"Bis heute sind wir eine Volkskirche im guten Sinn", sagt Meinel. Und auch beim traditionellen "Schneeberger Lichtelfest" am Wochenende ist die Kirche beteiligt und mittendrin. Die Gemeinde lädt zu Andachten, Konzerten und Führungen ein. Die Erzgebirgsstadt erstrahlt wie jedes Jahr am zweiten Wochenende im Advent in einem großen Lichtermeer.
In diesem Jahr fällt das Lichtelfest auf den Barbaratag (4. Dezember), an dem die Bergleute eine ihrer Schutzheiligen verehren. Barbara gilt als Märtyrerin. Der Legende nach um 306 als Christin verfolgt und in einen Turm gesperrt. Ihr eigener Vater soll sie wegen ihrer Taufe umgebracht haben. In der evangelischen Kirche werden Heilige als Vorbilder des christlichen Glaubens angesehen.
Auch St. Wolfgang, Bischof von Regensburg, ist ein Schutzheiliger der Bergarbeiter. Der Legende nach stieß er auf reiche Erzvorkommen. Die nach ihm benannte Kirche wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf einem Vorgängerbau auf der Kuppe des Schneeberges errichtet. Ruhend auf den Gruben des Silbererzbergbaus ist St. Wolfgang, eine der größten spätgotischen Hallenkirchen im sächsischen Raum, zum Symbol einer ganzen Region geworden. Stolz nennen sie die Einheimischen den "Bergmannsdom".
Dass der erste Reformationsaltar in der Erzgebirgsstadt steht, ist nicht zufällig. Der Schneeberger Kunsthistoriker Thomas Pöpper spricht von einem Boom in der Region im 16. Jahrhundert durch die gigantischen Silberfunde. Das gab dem Ort hohe wirtschaftliche Bedeutung und Ansehen. Gern werde im Zusammenhang mit der Standortwahl für den Altar auch zitiert, dass Luthers Vater Bergmann war, sagt Pöpper.
Ab 2012 will die Gemeinde mit der Außensanierung eine weitere große Hürde der Denkmalpflege nehmen. Rund 2,6 Millionen Euro sind veranschlagt. Auch Glockenstuhl und Glocken sollen saniert werden. Zum Themenjahr "Bild und Bibel" im Rahmen der Lutherdekade beteiligt sich die Gemeinde mit einem eigenen Programm.
Vorläufiger Höhepunkt werden jedoch die Gottesdienste und Veranstaltungen zu Weihnachten sein. Traditionell steigen in der "Heiligen Nacht" (25. Dezember) ab 2.30 Uhr rund 180 Sänger auf den Turm, vom Enkel bis zum Opa, weiß Meinel. Aus etwa 70 Metern Höhe singen sie von der Geburt Jesu. Um 5 Uhr versammelt sich die Gemeinde schließlich zur Christmette.
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