Umwelt
Millionen für Naturschutz im Südharz
Erfurt/Berlin (epd). Die Gipskarstlandschaft im Südharz zählt ab sofort zum exklusiven Kreis der bundesweit 30 Zentren biologischer Vielfalt. Zur Stärkung der Biodiversität und der einzigartigen Kulturlandschaft im Norden Thüringens sollen bis 2023 mehr als vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, teilten die Umweltministerien des Bundes und des Landes am Donnerstag mit. Mit dem Geld soll vor allem die richtige Beweidung sichergestellt werden, hieß es.

Durch die traditionelle extensive Beweidung, bei der vergleichsweise wenig Vieh auf einer großen Fläche gehalten wird, hätten sich im Südharzer Zechsteingürtel über Jahrhunderte wertvolle Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Zwergstrauchheiden entwickelt. Ihr Artenreichtum sei durch die stetig sinkende Weide- und Mahdnutzung jedoch gefährdet. Inzwischen gebe es nur noch elf Landwirte in der Region, die Ziegen und Schafe hielten, hieß es aus Erfurt. Damit habe sich ihre Zahl innerhalb weniger Jahre halbiert.

Ohne die Schaf- und Ziegenhalter sei die Landschaftspflege der wertvollen Offenlandbiotope aber undenkbar. "Das Projekt verbindet beide Bereiche: Indem es eine nachhaltige extensive Beweidung fördert, trägt es zum Schutz und Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft bei", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Auch Maßnahmen zum direkten Artenschutz seien geplant. So würden zum Erhalt von Amphibien wie Feuersalamander, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte neue Laichgewässer angelegt. Bemerkenswert sind aus Sicht der Experten auch Orchideen-Buchenwälder sowie Gipsfelsen mit Kalk-Pionierrasen, Gips-Schutthalden mit Glazialrelikten und artenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen, auf denen zum Beispiel Purpurknabenkraut und Weiße Waldhyazinthe weiterhin gedeihen sollen.

Mit gezielten Pflegemaßnahmen sollen in der Region zudem lichte Wälder und Wald-Offenland-Übergänge entwickelt werden. Dazu kämen umfassende Angebote zur Umweltbildung, Verbesserungen der touristischen Infrastruktur und eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Das sei mit Blick auf die Einrichtung eines Biosphärenreservates besonders wichtig, sagte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). Schließlich gehe es nicht nur um den Naturschutz, sondern auch "um regional wirtschaftliche Anreizprojekte", so die Ministerin.

Das Vorhaben "Gipskarst Südharz - Artenvielfalt erhalten und erleben" hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2018 bis 2023) und ein Gesamtvolumen von knapp 4,5 Millionen Euro. Es soll zu etwa 75 Prozent vom Bundesamt für Naturschutz, zu knapp 16 Prozent vom Thüringer Umweltministerium sowie von der Stiftung Naturschutz Thüringen vom Landkreis Nordhausen bereitgestellt werden.

epd ost dl phi