Schon in Berlin erwartet den 84-Jährigen ein dichtes Programm, das mit einem Empfang bei dem Bundespräsidenten und einem Treffen mit der Kanzlerin beginnt und mit einer Messe mit 70.000 Besuchern am Abend im Berliner Olympiastadion endet. Dazwischen liegen eine Rede im Bundestag, eine Begegnung mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde und eine kurze Mittagspause in der Apostolischen Nuntiatur. In der Botschaft des Vatikan wird Benedikt auch nächtigen. Nach einer Begegnung mit Vertretern islamischer Verbände wird er am 23. September nach Erfurt reisen. "Geht mit mir etwas menschlicher um!", soll der Papst gefleht haben, als er in Rom den ersten Programm-Entwurf seiner Deutschlandreise vorgelegt bekam, berichtet Rother.
Doch nicht nur für Benedikt XVI. wird die Reise anstrengend, auch für das relativ kleine und finanzschwache Erzbistum Berlin bedeutet der Besuch aus Rom neben großer Freude auch eine riesige organisatorische, logistische und finanzielle Herausforderung. Mit 3,5 Millionen Euro Kosten rechnet das Bistum bisher für den Tag in Berlin, 30 Millionen soll der Besuch insgesamt kosten.
Die Visite des Papstes ist ein Staatsbesuch, es gilt Sicherheitsstufe I. Es ist aber auch ein Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche. "Wir organisieren die Messe im Stadion. Alles andere macht die Diplomatie", sagt Rother. Beides greift aber ineinander. Sehr ungeduldig wird deshalb Thomas Wiese auf den Schlusspfiff der Begegnung Hertha BSC gegen FC Augsburg im Olympiastadion am 17. September warten. Denn unter Anleitung Wieses, der für das Erzbistum den Papst-Besuch logistisch und technisch koordiniert, muss die Sportarena innerhalb weniger Tage zu einem sakralen Raum umgebaut werden.
Der Altarraum wird auf der Westseite des Stadionovals errichtet. Das 250 Quadratmeter große überdachte Podest mit Altar und überdimensioniertem Kreuz bietet Platz für den Papst und 30 Konzelebranten, darunter Berlins neuen Erzbischof Rainer Maria Woelki. Unter dem Marathontor werden Sakristeien eingerichtet, in denen sich Benedikt auf die Messe vorbereiten kann. Ein eigens eingebauter Fahrstuhl bringt ihn nach oben.
"Es gibt dafür Vorgaben des Vatikans, wie so etwas auszusehen hat", sagt Wiese. "Keine Gläubigen hinter und seitlich des Altars. Ein würdiger Einzug des Heiligen Vaters muss möglich sein. Die Altarinsel muss das Logo des Papstbesuches aufnehmen!" Das Fernsehen verlangt zudem eine Überdachung des Altarbereichs aus Milchglas, weil sonst scharfe Schatten das Bild stören könnten.
Der Rasen des Innenraums wird mit Platten abgedeckt. Darauf kommen Sitzgelegenheiten für weitere etwa 10.500 Menschen, darunter viele VIPs. Auf der linken Seite sitzen die staatlichen Vertreter wie Bundespräsident Christian Wulff oder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), auf der rechten die kirchlichen Würdenträger. Die dem Altar gegenüberliegende Osttribüne, sonst Heimstatt des Hertha-Fanblocks, bekommt ein Podest für die insgesamt 450 angemeldeten Rollstuhlfahrer. Wer dort sitzt, wird von dem 120 Meter entfernten Papst nicht mehr viel sehen. Deshalb werden links und rechts vom Altar noch zwei große Videoleinwände aufgestellt.
Dazu kommen Kilometer an Kabel und eigene Stromgeneratoren für die Fernseh-Übertragung, die der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) übernimmt. An der Messe wirken 1.500 Ministranten, 750 Chorsänger und 600 Priester mit, die die Kommunion austeilen. Dafür wurden 80.000 Hostien in der Bäckerei des brandenburgischen Klosters Alexanderdorf geordert.
Wegen der erhöhten Sicherheitsstufe musste das Erzbistum zudem einen Security-Dienst anheuern. 900 Ordner werden die Einlasskontrollen am Stadion übernehmen. Rund 71.000 Menschen werden am Abend die umgebaute Sportarena füllen und gemeinsam mit Benedikt XVI. den Gottesdienst feiern, darunter viele Tausende Gläubige aus Polen und anderen Bundesländern. Die Tickets werden dieser Tage verschickt. Wenn um 18.30 Uhr die Messe beginnt, kann eigentlich nur noch schlechtes Wetter die Freude trüben. Aber auch dafür wurde vorgesorgt. Das Erzbistum habe 10.000 Regencapes bestellt, sagt Rother.

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