Ethik
Zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland (66 Prozent) glauben an die "Liebe fürs Leben", also daran, dass man einen Partner finden kann, mit dem man für den Rest seines Lebens glücklich ist.
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Mehr Sex, weniger Sex, Herz und Verstand
Eine Studie hat die Deutschen nach ihren Vorstellungen von Partnerschaft gefragt
Berlin (epd). "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was besseres findet", heißt ein abgewandelter Klassiker-Rat im Volksmund. Die Lebensweisheit ist vielen ein wohlvertrauter Tipp, wenn es um Liebe, Partnerschaft und Leidenschaft geht. In der am Dienstag in Berlin vorgestellten Allensbach-Studie "Partnerschaft 2012: Zwischen Herz und Verstand" findet sich nun statistisch sauber unterfüttert, was die Deutsche über Sex, Nähe und Distanz denken. Die Untersuchung im Auftrag von Jacobs Krönung wird seit 2009 jährlich durchgeführt.

Die gute Nachricht lautet: Die Deutschen sind romantischer als gemeinhin angenommen. Zwei Drittel der Bevölkerung ab 16 Jahre glauben an die "Liebe fürs Leben", zwei Drittel sind in ihren Beziehungen glücklich bis sehr glücklich, nur 16 Prozent halten die Ehe für ein Auslaufmodell. Trotz der Zunahme der Single-Haushalte (40 Prozent) sind nur gerade mal zehn Prozent von ihnen Single aus fester Überzeugung. 49 Prozent sagen, sie seien im Moment mit ihrem Single-Dasein zufrieden, 30 Prozent hätten lieber wieder einen Partner.

Trotz allem Glück und aller Romantik nagen bei fast jedem Dritten (31 Prozent) die Zweifel, ob wirklich der ideale Partner gefunden wurde, mit dem man bis zum Lebensende durchhalten wird. "Verunsicherung durch die Vielfalt der Optionen", nennt die Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher das. "Insbesondere Single-Männer sind überdurchschnittlich häufig (33 Prozent) davon überzeugt, dass man nie sicher sein kann, den idealen Partner gefunden zu haben", sagt Köcher.

Die jüngeren gebundenen Männer sind es auch, die trotz glücklicher Partnerschaft dem Single-Dasein mit seinen ganzen Unverbindlichkeiten etwas abgewinnen können. 47 Prozent der 16- bis 29-Jährigen und 37 Prozent der 30- bis 44-Jährigen finden diese Alternative reizvoll. In der Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen kehrt sich dann der Trend um. Hier schielen 31 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen nach Ungebundenheit. Bei den über 60-Jährigen geht die Schere mit 21 (Männer) zu 27 Prozent (Frauen) noch weiter auseinander. Renate Köcher nennt dies das "Papa ante portas"-Phänomen: Man wird Rentner und verbringt plötzlich 24 Stunden am Tag gemeinsam. Da kann der Ehemann schon mal zur Last fallen. "Wie alles im Leben, ist auch Zusammenleben eine Frage der Dossierung", rät Köcher.

Überhaupt das Alter: Dass "Essen der Sex des Alters ist", wie gelegentlich behauptet wird, wird in der Studie auch belegt. Für Männer über 60 sind die Kochkünste (47 Prozent) ihrer Partnerin wichtiger als ihre Attraktivität (33 Prozent). Das stellt sich in den Lebensjahren zuvor ganz anders da. So sagen 63 Prozent der Männer zwischen 45 und 59 Jahren, dass für sie eine glückliche sexuelle Beziehung "sehr wichtig" ist. Bei den Frauen sind es nur 36 Prozent.

Die große Überraschung der Studie sind die zunehmenden Unterschiede zwischen den sozialen Schichten, sagt Köcher. So finden 61 Prozent der Frauen und Männer aus einfachen Schichten, Übereinstimmungen mit dem Partner bei der Kindererziehung seien wichtig. Bei den Frauen und Männern der Upper-Class finden das nur 51 Prozent. Auch eine glückliche sexuelle Beziehung finden die Gutsituierten mit 47 Prozent weniger bedeutend für die Partnerschaft als die Menschen, die sozial am unteren Ende der Leiter stehen (56 Prozent). Dagegen rangieren "Gute Bildung", "Gutes Aussehen" und "Klugheit, Intelligenz" bei denen "Oben" weit oben mit Unterschieden von bis zu 40 Prozentpunkten zu denen "Unten".

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Markus Geiler (epd)