Umwelt
Mehr Mehrweg- statt Einwegflaschen in Deutschland gefordert
Verbände starten neue Mehrwegkampagne für Klimaschutz, Produktvielfalt und Arbeitsplatzschutz
Berlin (epd). Wer Mineralwasser, Erfrischungsgetränke oder Bier aus Mehrweg- statt aus Einwegflaschen kauft, tut etwas für den Klimaschutz. Davon sind die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sowie mittelständische Getränkehersteller und Händler überzeugt. Mit einer neuen Kampagne mit dem Titel "Mehrweg ist Klimaschutz" wollen sie Verbraucher davon überzeugen, im Laden häufiger als bislang zu Getränken in Mehrwegflaschen zu greifen.

Der Bundestag hatte Ende März beschlossen, eine Mehrweg-Getränkequote von 70 Prozent bis zum Jahr 2021 zu erreichen. Derzeit liegt der Anteil von Mehrwegflaschen in Deutschland den Angaben zufolge bei nur 42 Prozent.

Nach Angaben der DUH verursacht eine Mehrwegflasche über den gesamten Lebenszyklus im Vergleich zu einer Einwegflasche nur rund die Hälfte des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2). Bis zu 50 Mal sei eine Mehrwegflasche im Umlauf, wobei die deutliche CO2-Einsparung schon nach zehn bis 15 Umläufen erreicht werde, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch. Weiter betonte er: "Würde man alle alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrweg- statt in Einwegflachen abfüllen, dann ließen sich in Deutschland jedes Jahr 1,25 Millionen Tonnen CO2 einsparen." Das entspräche einem CO2-Ausstoß von rund 575.000 Mittelklassewagen.

Scharfe Kritik übten der Umweltverband sowie die Stiftung Initiative Mehrweg, der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels, der Verband Privater Brauereien Deutschland und der Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels an Discountern und Handelsketten wie Lidl oder Aldi sowie großen Anbietern wie Coca-Cola, die aus dem deutschen Mehrwegsystem ausgestiegen seien. Zudem sei für die Verbraucher oft nicht ersichtlich, welche Getränkeverpackung umweltfreundlicher sei. Die sogenannte "Mehrweg-Allianz" ruft dazu auf, ausschließlich zu Mehrwegflaschen zu greifen.

Das neue Kampagnenmotiv zeigt unter anderem eine Weltkugel mit Wäldern und Wolken, um dafür zu sensibilisieren, dass jeder Verbraucher mitverantwortlich sei für Klima- und Umweltschutz, hieß es. So sei Mehrweg ein Beitrag für den Klimaschutz, für den Ressourcenschutz und zur Vermeidung von Plastik- und Dosenmüll. Insgesamt wollen sich den Angaben zufolge in den kommenden Monaten bundesweit über 5.000 Getränkehändler, Brauereien, Mineralbrunnen und Fruchtsaftabfüller an der Kampagne beteiligen.

Nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sei Mehrweg sinnvoll, argumentierten die Verbandschefs. So betonte der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkegroßfachhandels, Günther Guder, dass in Deutschland mit dem Mehrwegsystem rund 160.000 "grüne Arbeitsplätze" verbunden seien. Im Vergleich zu Einweg liege das Arbeitsplatzverhältnis in der Mineralwasserbranche bei 5:1. Getränke in Mehrwegflaschen seien zudem mit Produktvielfalt und Regionalität verbunden, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Privater Brauereien, Roland Demleitner. Einwegverpackungen dagegen beförderten Monopolstrukturen im Getränkemarkt.

Auch aus gesundheitlichen Gründen plädieren die Kampagnenteilnehmer für Mehrweg. So würden Glas-Mehrwegflaschen das Getränk besser schützen, weil sie keine Wechselwirkungen mit dem Füllgut eingingen. Einweg-Plastikflaschen könnten dagegen Chemikalien wie Acetaldehyd, Antimon und andere hormonaktive Substanzen abgeben.

epd ost cxm mg