Soziales
Mehr Einsätze für Berliner Kältebus
Berlin (epd). Der Kältebus der Berliner Stadtmission hat wegen der frostigen Temperaturen derzeit sehr viel mehr Einsätze in den Nächten. Nach Angaben von Stadtmission-Sprecherin Ortrud Wohlwend wurde der Bus zwischen 80 und 100 Mal pro Nacht von Bürgern, der Polizei, Security-Mitarbeitern oder Rettungsstellen gerufen, um Obdachlose auf der Straße vor dem Erfrieren zu bewahren. "Normalerweise verzeichnen wir 25 bis 30 Anrufe in der Nacht", sagte Wohlwend dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Im Einsatz ist der Kältebus im Berliner Winter seit 1994. Auslöser war damals der Kältetod eines Obdachlosen nur wenige Meter vor einer Notunterkunft, die der Mann wegen Entkräftung nicht mehr erreichte. Seitdem hat der Kältebus der diakonischen Einrichtung so viele Kilometer zurückgelegt, dass davon fünf Mal die Erde umrundet werden könnte. Er ist zwischen 1. November und 31. März jede Nacht zwischen 21 und 3 Uhr im Einsatz.

Allein im Dezember und Januar legte der Bus jeweils über 3.100 Kilometer im Berliner Stadtgebiet zurück. 660 mal wurde Kältebus im Januar gerufen, davon 74 mal von Rettungsstellen und 64 Mal von der Polizei und Sicherheitsdiensten. "Die meisten Anrufe kommen von Bürgern", sagte Wohlwend. Sie sieht darin ein gutes Zeichen, dass die Leute zunehmend Verantwortung übernehmen und die Menschen auf der Straße sich nicht selbst überlassen.

Mit 463 Obdachlosen kamen die 14 Ehrenamtlichen um den 23-jährigen Teamleiter Lars Nitz bei ihren Einsätzen im Januar ins Gespräch. 180 von ihnen konnten die Helfer anschließend in eine warme Notunterkunft bringen. Mitgenommen wird nur, wer das will. Im Dezember gab es 687 Anrufe und 402 Gespräche. Auch hier kam die große Mehrzahl der Anrufe von Bürgern, die sich Sorgen um die Menschen auf der Straße machten. In 139 Fällen ließen sich die Obdachlosen in eine Notunterkunft fahren. Von Vorteil ist dabei, dass einige der Helfer Polnisch sprechen. In den Notunterkünften gebe es zudem Mitarbeiter, die Russisch können, sagte Wohlwend. Viele in Berlin lebende Obdachlose stammen aus Osteuropa.

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