Ethik
KZ-Überlebender Mark Tilewitsch gestorben
Oranienburg (epd). Der KZ-Überlebende und Ehren-Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Mark Tilewitsch, ist tot. Der Journalist und langjährige Angehörige des Beirates der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten sei am Montag mit 95 Jahren in Moskau gestorben, teilte die Stiftung am Donnerstag in Oranienburg mit. Stiftungsdirektor Günter Morsch würdigte Tilewitsch als "großen Freund der Gedenkstätte Sachsenhausen und eindrucksvollen Zeitzeugen".

Mit seiner zugleich sanften, menschenfreundlichen und sensiblen Art sei es Tilewitsch gelungen, die Jugendlichen, die seinen Berichten zuhörten, zu fesseln und ihre Empfindungen anzusprechen. Vor allem ihm sei zu verdanken, dass viele KZ-Überlebende aus Russland zu den runden Jahrestagen der Befreiung 1995 und 2005 an die Orte ihres Leidens zurückkehren konnten, betonte Morsch: "Er wird uns sehr fehlen."

Mark Tilewitsch kam den Angaben zufolge am 10. Juli 1922 in Moskau zur Welt und wurde mit 18 Jahren zum Militärdienst einberufen. Als die deutschen Truppen am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfielen, leistete er den Armeedienst an der Grenze und geriet kurz darauf in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit Unterstützung seiner sowjetischen Kameraden sei es ihm gelungen, sich der Aussonderung und Ermordung als Politoffizier und Jude zu entziehen.

Nach zwei Fluchtversuchen aus einem Kriegsgefangenenlager wurde er den Angaben zufolge der Gestapo übergeben und 1943 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Auch in Sachsenhausen, wo im Herbst 1941 mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet worden waren, habe er stets gefürchtet, als Jude verraten und exekutiert zu werden. Geschwächt und gestützt von Kameraden, überlebte er den Todesmarsch.

Nach der Befreiung studierte Mark Tilewitsch in seiner Heimat Redaktionswesen, arbeitete später als Journalist und war lange Jahre stellvertretender Chefredakteur der populären Automobilzeitschrift "Sa Ruljom" ("Am Steuer"). Neben seinem Beruf engagierte er sich im 1957 gegründeten sowjetischen Komitee der Kriegsveteranen und übernahm dort leitende Funktionen in der Sektion ehemaliger KZ-Häftlinge. Dort habe er eine politische Nische gefunden, in der er seine Vorstellungen von Internationalismus und Solidarität umzusetzen versuchte.

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