Kultur
Klausmeier warnt vor weiterer Bebauung der East Side Gallery
Berlin (epd). Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, hält die fortschreitende Bebauung der Berliner East Side Gallery für einen großen Fehler. Er halte das städtebaulich für die komplett falsche Entscheidung, sagte Klausmeier dem "Tagesspiegel" (Montag). Am liebsten wäre ihm gar keine Bebauung dort: "Aber das Auskaufen aus der Baugenehmigung kann nicht gelingen, weil es unglaublich teuer ist." Die Stiftung Berliner Mauer soll sich künftig auch um die East Side Gallery kümmern.

Jede weitere Bebauung des ehemaligen Todesstreifens der früheren DDR-Grenzanlagen "verunklare" weiter die geschichtliche Ebene der Grenze, warnte Klausmeier. "Dass es schon schmerzliche Unterbrechungen im Grenzstreifen gibt, etwa die Schiffsanlegestelle im Bereich der Mercedes-Benz-Arena, ist eine Erschwerung der Geschichte, die wir erzählen wollen. Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen und müssen mit den Dingen, die schon existieren, umgehen", betonte der Historiker.

Die East Side Gallery an der Spree ist mit 1.316 Metern Länge das längste noch erhaltene Stück der Berliner Mauer. Bis zum Mauerfall 1989 trennte es den Ost-Berliner Stadtteil Friedrichshain von Kreuzberg in West-Berlin. Nach dem Mauerfall haben etwa 120 Künstler aus 21 Ländern die Mauer auf der östlichen Seite bemalt. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt massive Proteste gegen die Bebauung des ehemaligen Grenzstreifens direkt an der Spree mit Luxuswohnungen. Das jüngste Projekt "Pier 61/63" ist den Angaben zufolge ein 120 Meter langes und 9 Stockwerke hoher Gebäudekomplex, der in den kommenden Jahren dort errichtet werden soll.

Klausmeier betonte, an den wenigen Orten, wo noch Mauerteile stehen, "sollten wir versuchen, die Geschichte zu erklären". Es gehe aber nicht darum, Platz zu haben, um den Todesstreifen zu rekonstruieren oder eine "Aura des Schreckens" zu schaffen. Es seien vor allem die Dimension und die Geschichte der East Side Gallery, die den Ort ausmachen.

epd ost mg bue