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Kirche und Gedenkstätte erinnern an NS-Opfer Friedrich Weißler
Oranienburg (epd). Zum 80. Todestag des von den Nazis ermordeten Juristen Friedrich Weißler (1891-1937) erinnern die evangelische Kirche und die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen am Sonntag an das Mitglied der Bekennenden Kirche. Zu der Feier an der 2005 von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Sachsenhausen errichteten Gedenkstele wird auch der Chefjurist der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Konsistorialpräsident Jörg Antoine, erwartet, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten am Dienstag in Oranienburg mit.

Friedrich Weißler war ab Dezember 1932 Präsident des Landgerichts Magdeburg und wurde nach der Machtübernahme der Nazis Mitte 1933 aus dem Amt entlassen. Danach war er juristischer Berater und Leiter der Kanzlei der regimekritischen Bekennenden Kirche. Er wurde am 13. Februar 1937 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert und dort am 19. Februar ermordet. Der promovierte Jurist gilt als erster Märtyrer der evangelischen Bekennenden Kirche.

Weißler wurde am 28. April 1891 im oberschlesischen Königshütte als Kind einer jüdischen Familie geboren und evangelisch getauft. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er seine juristische Laufbahn in Halle an der Saale und war unter anderem am Oberlandesgericht Naumburg und am Arbeitsgericht in Halle tätig.

Als Mitglied der Bekennenden Kirche arbeitete Weißler mit Karl Barth und Martin Niemöller zusammen und war Mitverfasser einer Denkschrift an Adolf Hitler, in der unter anderem die nationalsozialistische Rassenideologie kritisiert wurde. Nachdem das Dokument im Juli 1936 öffentlich bekanntwurde, ließ die Gestapo den Juristen verhaften.

Die Denkschrift von 1936 gilt als eines der großen Dokumente des gewaltlosen Widerstands gegen den NS-Staat. In deutlichen Worten wird darin gegen Antisemitismus, Konzentrationslager, die Abschaffung des Rechtsstaates und die Willkür der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Stellung bezogen. Das Papier war ursprünglich als vertrauliche Eingabe an Hitler geplant, wurde jedoch in den "Basler Nachrichten" und wenig später übersetzt in der "New York Herald Tribune" veröffentlicht.

Nach seiner Ermordung im KZ Sachsenhausen wurde Friedrich Weißler auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt.

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