Kultur
Das Jagdschloss im sächsischen Graupa bei Dresden
© Stadtverwaltung Pirna / Stadtverwaltung Pirna
Keine Angst vor Richard Wagner
In Sachsen entsteht in neues Museum für den Komponisten
Pirna (epd). Das kurfürstliche Jagdschloss im sächsischen Graupa wird musikalisch. Dort, wo August der Starke (1670-1733) einst von der Jagd ausruhte, entsteht derzeit ein Museum. Gewidmet ist es dem Komponisten Richard Wagner (1813-1883), der 1846 die Sommermonate in dem kleinen Ort zwischen Pirna und Dresden verbrachte und dort die Kompositionsskizze für seinen "Lohengrin" niederschrieb.

Die damals unberührte Natur, die idyllische Landschaft, der Blick zur Sächsisch-böhmischen Schweiz haben ihn offenbar inspiriert. Am damaligen Wohnort, heute als Lohengrinhaus bekannt, erinnert seit 1907 eine Ausstellung an den Aufenthalt in Graupa. Das Haus gilt als das weltweit erste Museum für Wagner. Jährlich zieht es rund 4.000 Besucher an.

Nun soll in Sachsen ein weiteres Kapitel in der Richard-Wagner-Rezeption aufgeschlagen werden. Noch vor Beginn des Jubiläumsjahres 2013 zum 200. Geburtstag des Komponisten wird der authentische Ort um ein neues modernes Museum bereichert. Im Herbst soll das Museum in unmittelbarer Nähe des Lohengrinhauses öffnen. Derzeit wird in dem für rund 5,5 Millionen Euro umgebauten Jagdschloss eine Dauerausstellung eingerichtet. Die Sanierungsarbeiten hatten 2008 begonnen.

Es sei ein "visionärer, mutiger Schritt" gewesen, den der Stadtrat mit seinem Beschluss vor drei Jahren gegangen ist, sagt der zuständige Pirnaer Bau- und Kulturbürgermeister Christian Flörke (parteilos). Die Finanzierung für den Umbau und die Innengestaltung war damals unklar. Zum jetzigen Zeitpunkt könne so ein Projekt nicht mehr auf den Weg gebracht werden, vermutet Flörke.

Die Ausstellungsmacher setzen auf neueste Technik, nicht zuletzt aus Mangel an originalen Gegenständen. Es soll Klangduschen, eine musikalische Beschallung durch Bewegungssensoren, geben und einen Chip auf der Eintrittskarte, mit dem der Besucher an Multimedia-Portalen zusätzliche Informationen abrufen kann. Mit der Umsetzung wurde die Berliner Firma "schnelle bunte bilder" beauftragt. Sie wird auch Opern-Szenen in ein Bühnenmodell projizieren.

Unter dem Motto "Keine Angst vor Wagner, Oper ist ein Erlebnis!" sollen vor allem junge Besucher angezogen werden, sagt Anne Rom vom zuständigen Architekturbüro im sächsischen Niederwiesa. Geplant ist auch ein museumspädagogischer Bereich. Dafür wird noch bis 2013 die Remise saniert. Zudem ziehen im ehemaligen Stallgebäude eine Bibliothek und eine Videothek ein.

"Aber das reifere Publikum wollen wir auch nicht verschrecken", sagt Flörke. Die Technik wird leicht zu bedienen sein, beteuert er und es gebe auch ganz klassische Ausstellungsstücke wie Modelle, Figurinen, Briefe und Bilder.

Themen der farblich verschieden gestalteten insgesamt sechs Räume sind Wagners Herkunft und Familie, seine Freunde, nicht zuletzt seine Bühnengestalten, seine Idee vom Orchestergraben und seine höchst ambivalente und umstrittene Haltung zum Judentum. "Jeder Raum ist eine Erlebniswelt für sich", sagt Rom. Im Mittelpunkt des Museums auf rund 500 Quadratmetern stehe ganz klar Wagners Musik.

Absolutes Novum im barocken Jagdschloss ist in der ersten Etage ein Konzert- und Veranstaltungssaal, der zu Zeiten der Kurfürsten noch in Gemächer unterteilt war. "Um das Museum mit Leben zu füllen, haben wir diesen Raum geschaffen", sagt Flörke. Etwa 100 Personen finden darin Platz.

Bei seinem Sommeraufenthalt in Graupa muss Wagner das Schloss vom Fenster des benachbarten, später nach seiner Oper benannten Lohengrinhauses gesehen haben. Ob er auch im Haus war, ist unbekannt. Der junge Wagner erlebte in Dresden und Umgebung sehr fruchtbare Jahre. Nur wenige Monate nach der Uraufführung seiner Oper "Rienzi" in der Semperoper wurde er 1843 zum königlich-sächsischen Kapellmeister ernannt. Wegen der aktiven Teilnahme am Dresdner Maiaufstand im Frühjahr 1849 musste er fliehen.

In Erinnerung bleibt er in Sachsen unter anderem auch mit einem überlebensgroßen Denkmal im Liebethaler Grund bei Graupa. Das vermutlich weltweit größte Denkmal für den Komponisten wurde 1933 mitten in die Landschaft gestellt. Das mehr als zwölf Meter hohe Monument zeigt ihn überlebensgroß als Gralsritter mit Harfe und der Schale des heiligen Grals. Die Bronze wurde bereits 1911/12 vom Bildhauer Richard Guhr gefertigt und später auf einen Sandsteinsockel gehoben.

Das nahe gelegene Jagdschloss in Graupa wurde zu DDR-Zeiten als Gemeindeamt genutzt. Danach stand es etwa 15 Jahre leer. In den vergangenen drei Jahren wurden auch die Außenanlagen mit dem Teich saniert. Noch vor der offiziellen Übergabe öffnet Anfang Februar das sanierte Schloss erstmals für Besucher. Präsentiert wird die Sonderausstellung "Mein lieber Schwan", ein Schülerprojekt zu Wagners Oper "Lohengrin". Künftig rechnen die Richard-Wagner-Stätten am Rande der sächsisch-böhmischen Schweiz mit einer Verdreifachung der Besucherzahlen.

epd ost kr bue

Katharina Rögner (epd)

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