Ethik
Katja Riemann: Demokratie ist nichts Selbstverständliches
Berlin (epd). Die Berliner Schauspielerin Katja Riemann fordert dazu auf, sich für Demokratie und eine offene Gesellschaft aktiv einzusetzen. Demokratie sei nichts Selbstverständliches, dafür hätten die Menschen jahrhundertelang gekämpft, sagte Riemann am Mittwochabend bei einem Auftakt-Dinner der "Initiative Offene Gesellschaft" in Berlin. Bei der "Initiative Offene Gesellschaft" finde sie Gleichgesinnte, die für die Demokratie seien, sagte Riemann. "Man kann nicht immer nur gegen etwas sein, man muss auch mal für etwas sein."

Die im vergangenen September gegründete Initiative plant am 17. Juni eine bundesweite Aktion für Demokratie. Sie lädt alle Menschen in Deutschland dazu ein, Tische und Stühle auf die Straße zu stellen, gemeinsam zu essen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, nannte die Aktion ein "friedliches und einladendes Symbol" für eine Gesellschaft, in der jeder einen Platz habe. "Wir wollen Gesicht zeigen und nicht alles den Politikern überlassen." Viele Menschen hätten Angst davor, dass die Gesellschaft immer bunter und schneller werde. "Es ist wichtig, die Frage zu stellen, welches Land wir sein wollen. Vielfalt kann eine Bereicherung sein, und das wollen wir zeigen und feiern", sagte Lilie.

Der Flensburger Sozialpsychologe und Mitbegründer der Initiative, Harald Welzer, hofft am 17. Juni auf "das größte Dinner der Welt". Nach wie vor seien Demokratie-Befürworter in der Mehrheit, betonte er. Dafür sprächen etwa die vielen neuen Partei-Eintritte in den vergangenen Monaten. Die Aktion am 17. Juni sei auch im Hinblick auf die Bundestagswahl im September ein wichtiges Zeichen. "Ich bin mir sicher, dass keine rechtspopulistische Partei es in den Bundestag schafft." Die Wahl Donald Trumps zum US-amerikanischen Präsidenten habe bei vielen Menschen für Abschreckung gesorgt.

Die "Initiative Offene Gesellschaft" wurde nach eigenen Angaben gegründet, um vor dem Hintergrund zunehmender Polarisierung und Hetze in der Gesellschaft den von der Demokratie Überzeugten eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen. Ende September 2016 veranstalteten die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas bereits eine große "Tafel der Vielfalt" auf dem Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof mit mehr als 100 Gästen und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) als Tischredner.

Den 17. Juni, Jahrestag des Volksaufstands 1953 in der DDR, haben die Initiatoren dabei nicht zufällig ausgewählt. "Er steht für den Einsatz für Freiheit, Demokratie und Einheit" und erinnere an Zivilcourage, heißt es in den Aufruf.

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