Ethik
Jüdische Organisationen bekräftigen Kritik an Medienpreis für Raheb
Palästinenischer Pfarrer sieht Hetzkampagne - (Zusammenfassung)
Berlin (epd). Die geplante Auszeichnung des palästinensischen Pfarrers Mitri Raheb mit dem Deutschen Medienpreis stößt bei jüdischen Organisationen auf immer schärfere Kritik. Das American Jewish Committee warf dem Theologen am Freitag vor, eine "radikale" Theologie zu vertreten, "die rassistische und zum Teil antisemitische Züge aufweist". Die Berliner Jüdische Gemeinde bezeichnete die Preisverleihung als unangemessen. Dabei verwies sie unter anderem auf das von Raheb mitverfasste und Ende 2009 veröffentlichte Kairos-Palästina-Dokument.

In dem von 15 namhaften palästinensischen Christen herausgegebenen Papier wird unter anderem die Besatzung der palästinensischen Gebiete und die Siedlungspolitik Israels als Sünde vor Gott bezeichnet und zum friedlichen Widerstand gegen Israel aufgerufen. In den vergangenen Tagen hatten sich schon die Deutsch-Israelische Gesellschaft sowie christlich-jüdische Organisationen kritisch zu Raheb geäußert. Unterstützt wird der Theologe dagegen von evangelischen Bischöfen wie Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) und Ulrich Fischer (Karlsruhe).

Raheb zeigte sich am Freitag überrascht über die Kritik. Der Medienpreis sei die internationale Anerkennung einer harten Versöhnungsarbeit in den vergangenen Jahren in Bethlehem und den palästinensischen Gebieten, sagte der promovierte Theologe dem epd in Berlin.

Erstmals würden mit dem Preis keine Politiker oder Prominente, sondern Menschen ausgezeichnet, die sich für den Frieden einsetzen. Seinen Kritikern warf der 49-Jährige eine Hetzkampagne vor, die getragen sei von Verleumdungen. Raheb hat sich in der Vergangenheit wiederholt für eine friedliche Lösung mit Israel ausgesprochen und dessen Existenzrecht anerkannt.

Raheb ist Pfarrer in Bethlehem und Präses der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land. 2008 erhielt er für sein Engagement den Aachener Friedenspreis. Er leitet in Bethlehem das Bildungswerk "Diyar Consortium" mit zahlreichen Einrichtungen.

Am 24. Februar wird er in Baden-Baden mit dem Deutschen Medienpreis für seinen Einsatz zur Verständigung von Christen, Juden und Muslimen geehrt. Laudator ist Altbundespräsident Roman Herzog. Ihn forderte das American Jewish Committee zu klaren Zeichen gegen Antisemitismus und die Diffamierung des Staates Israel zu setzen. Neben Raheb werden der ehemalige Oberleutnant der Sowjetarmee, Stanislaw Petrow, die afghanische Pädagogin Sakena Yacoobi und der kongolesische Arzt Denis Mukwege ausgezeichnet.

Zu den bisherigen Preisträgern der seit 1992 verliehenen Auszeichnung gehören unter anderem der spätere ermordete israelische Regierungschef Yitzhak Rabin und der frühere Palästinenerserführer Yassir Arafat.

Raheb wird am Sonntag auch zum 160. Jubiläum des Jerusalemsvereins im Berliner Dom predigen. Zudem hält er in der Bundeshauptstadt einen Vortrag zu den "arabischen Revolutionen".

epd ost phi/jh jh