Ethik
Initiative für Polen-Denkmal
Prominente Politiker wollen Versöhnungszeichen mit Nachbarn im Osten
Potsdam/Berlin (epd). 78 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen setzt sich eine Initiative in Berlin für ein Denkmal zum Gedenken an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 ein. Zu den Initiatoren zählen die ehemaligen Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD). Sie wollen am Mittwoch gemeinsam mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach, und dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, einen Aufruf an den neu gewählten Bundestag "für ein Polen-Denkmal in der Mitte Berlins" vorstellen.

Der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), sagte am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd), "es wird längst Zeit, dass ein solcher Erinnerungsort nach mehr als 70 Jahren nach dem Ende des von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkriegs entsteht". Selbstverständlich werde er ein solches Denkmal in Berlin begrüßen, sagte Woidke in Potsdam.

Der deutsche Vernichtungskrieg von 1939 bis 1945 habe mit dem Angriff auf Polen begonnen, betonte Woidke: "Er brachte unserem Nachbarn und seinen Bürgerinnen und Bürgern unendliches Leid. Das wird unvergessen bleiben."

Thierse (SPD) sprach sich in der "Berliner Zeitung" (Montag) ebenfalls für ein Denkmal zum Gedenken an die polnischen Opfer aus. Im Verhältnis zu den Polen gebe es "nicht die gleiche intensive Auseinandersetzung mit deutscher Schuld, wie, richtigerweise, im Fall der Ermordung der Juden oder im Fall deutscher Verbrechen in der Sowjetunion", sagte Thierse. Dem ein stärkeres Gewicht zu geben, sei das Motiv für das geplante Denkmal.

Der Ort des Denkmals spiele dabei nicht die entscheidende Rolle, so Thierse weiter. Der Vorschlag, das Denkmal am Askanischen Platz neben dem Anhalter Bahnhof zu errichten, entspringe dem Gedanken, "dass es ganz gut sei, wenn gegenüber der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, die an die verschiedene Vertreibungen während des Zweiten Weltkrieges erinnert", auch an die deutsche Schuld und das Unrecht gegenüber den polnischen Nachbarn erinnert werde. Das wäre ein wichtiges Zeichen, betonte der SPD-Politiker.

Der Aufruf trägt laut Zeitung die Namen von rund 70 Erstunterzeichnern. Darin heißt es unter anderem, mit einem würdigen Polen-Denkmal am Askanischen Platz würde ein deutsch-polnisches Zeichen gegen Krieg, Vernichtung, Flucht, Vertreibung und für Versöhnung gesetzt. Während der deutschen Besatzung in Polen wurden mehrere Millionen Polen ermordet. Zahlreiche polnische Familien waren von der Besatzungsherrschaft betroffen.

Zum bereits 1972 im Berliner Volkspark Friedrichshain errichteten "Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten" sagte Thierse, dies habe einen anderen Charakter. Dabei handele es sich um "ein Denkmal für die Waffenbruderschaft polnischer Soldaten und deutscher Kommunisten". Deshalb sei es "von polnischer Seite, zumindest von der Mehrheit der Polen, nie akzeptiert worden als ein Erinnerungsmal an die Opfer, die Polen gebracht hat - und das müssen wir ernst nehmen". Zudem stehe das Denkmal an einem Ort, der wie ein toter Winkel sei. "Auch das zeigt, dass es nicht genug ist", so Thierse. Seit 1995 ist das Denkmal auch nicht-kommunistischen Widerstandskämpfern und Soldaten gewidmet.

epd ost phi cxm