Umwelt
Immer mehr Städte wechseln zu Recyclingpapier
Umweltministerin zeichnet Kommunen und Hochschulen aus
Berlin (epd). Recyclingpapier wird bei Behörden offenbar immer gesellschaftsfähiger. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in Berlin vorgestellte Papieratlas 2017. Die Dokumentation präsentiert seit zehn Jahren die Städte in Deutschland, die am meisten Recyclingpapier in ihren Verwaltungen einsetzen. Danach liegt die durchschnittliche Recyclingpapierquote in den Amtsstuben inzwischen bei 86,13 Prozent. Diese Zahl breche alle bisherigen Rekorde, sagte Ulrich Feuersinger, Sprecher der Initiative Pro Recyclingpapier. An der diesjährigen Umfrage beteiligten sich 106 Städte. Darunter waren 61 von 76 Großstädten ab 100.000 Einwohner sowie 45 von 111 Mittelstädten ab 50.000 Einwohnern.

Als erfolgreichste Kommune im Rahmen des "Papieratlas" zeichnete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch die Stadt Solingen aus. Deren Recyclingpapierquote liegt in der Verwaltung - wie bei mittlerweile 28 anderen Städten auch - bei 100 Prozent. Zudem verhalfen Solingen weitere Sonderpunkte unter anderem für den Einsatz von Recyclingpapier in Schulen und Hausdruckereien auf den ersten Platz.

Aufsteiger des Jahres unter den Städten ist Potsdam. Die brandenburgische Landeshauptstadt steigerte den Anteil von Recyclingpapier in der Verwaltung um mehr als die Hälfte (52 Prozent) auf 99,02 Prozent, hieß es.

Unter den Hochschulen, die sich seit einem Jahr an dem Wettbewerb beteiligen, wurde die Universität Osnabrück für ihren vorbildlichen Einsatz von umweltfreundlich hergestellten Papier ausgezeichnet. Am diesjährigen Wettbewerb beteiligten sich 39 Hochschulen, die mit einer durchschnittlichen Recyclingpapierquote von 66 Prozent ebenfalls einen neuen Rekord aufstellten.

Hendricks warb bei der Auszeichnung der "recyclingpapierfreundlichsten" Städte und Hochschulen für den Verbrauch von Recyclingpapier in Behörden und Unternehmen. Der schonende Umgang mit den Ressourcen müsse eine Schlüsselkompetenz in der Gesellschaft werden, sagte Hendricks. Der Einsatz von Papier mit dem "Blauen Engel"-Umweltsiegel sei eine einfache Möglichkeit, Ressourcen wie Wasser, Energie, Wälder zu schonen. Die Initiative Pro Recyclingpapier wirbt damit, dass bereits zwei Blatt Recyclingpapier zur Einsparung von einem Glas Wasser führen.

Getragen wird die Initiative von mehr als 20 großen Unternehmen wie etwa Sony Deutschland, Xerox, Lufthansa, Deutsche Telekom und mehrere Papierfabriken. Der "Papieratlas" wird in Kooperation mit dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt, dem Deutschen Städtetag sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund veröffentlicht.

Feuersinger betonte, innerhalb von zehn Jahren hätten die Städte ihren Recyclingpapieranteil um rund 20 Prozent gesteigert. Höchste ökologische Anforderungen und beste Qualität garantierten das Umweltzeichen "Blauer Engel". Die Herstellung spare im Vergleich zu Frischfaserpapier bis zu 60 Prozent Energie und bis zu 70 Prozent Wasser. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2008 hätten die Städte mit der Verwendung von mehr als 120.000 Tonnen "Blauer-Engel"-Papier fast 800 Gigawattstunden Energie eingespart. Damit könnten beispielsweise die Einwohner einer Großstadt wie Frankfurt am Main ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.

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