Ethik
Geflüchtete haben es schwer bei der Wohnungssuche
Studie belegt vor allem Informationsmangel und bürokratische Hürden
Berlin, Dresden (epd). Alan Cheikho, Arabischlehrer aus dem syrischen Qamishli, öffnet die Tür seiner neuen Bleibe: ein Wohncontainer in Berlin-Hohenschönhausen. Von einem winzigen Flur mit Spüle, Toilette und Bad gehen zwei etwa zehn Quadratmeter große Zimmer ab, in jedem stehen zwei Betten. Der Boden ist kalt, die Wände kahl. "Einige Leute finden das hier okay", sagt der 30-Jährige: "Aber ich fühle mich wie im Gefängnis, in diesem engen Plastikzimmer." Deswegen sucht er schon seit Monaten nach einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft - gefunden hat er bisher allerdings nichts. Auf 60 oder 70 Anfragen bei Internetportalen erhalte er ein bis zwei Antworten, sagt er, und das seien meist Absagen.

Mit seinem Problem ist er nicht allein: Nach Angaben des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten gibt es allein in Berlin rund 8.000 anerkannte Flüchtlinge, die noch in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, obwohl sie schon Arbeitslosengeld II beziehen. Hinzu kommen Tausende Asylbewerber, die ebenfalls in Massenquartieren leben und die sich eigene Wohnungen suchen dürften, aber keine finden. In anderen Großstädten sieht es nicht viel besser aus, in Dresden etwa fehlen vor allem kleine Wohnungen für Menschen mit weniger Geld, die staatliche Transferleistungen beziehen.

"Der Wohnungsneubau kann mit dem angewachsenen Zuzug, vor allem in die Großstädte, noch nicht mithalten", heißt es beim Dachverband Wohnungswirtschaft Deutschland (GdW). Dringend benötigt werde mehr bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen. GdW-Präsident Axel Gedaschko: "Es bestand schon vor dem vermehrten Zuzug durch Flüchtlinge seit 2014 ein Angebotsdefizit. Die Migration verstärkt den Druck jetzt nochmal." Rund 400.000 Wohnungen müssten pro Jahr bis 2020 neu gebaut werden - davon mindestens 60.000 Wohnungseinheiten im preisgünstigen Segment.

Warum es Flüchtlinge angesichts fehlender Wohnungen besonders schwer haben, eine eigene Bleibe zu finden, hat das Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung (BIM) erstmals systematisch am Beispiel von Berlin und Dresden untersucht. Dabei stellten die Autorinnen der Studie "Welchen Zugang haben Geflüchtete zum Wohnungsmarkt?" neben generellem Wohnungsmangel und bürokratischen Hürden wie etwa der Wohnsitzauflage vor allem einen Mangel an Informationen und Probleme mit Diskriminierung fest. In Berlin wüssten demnach viele Schutzsuchende nicht, dass sie bereits im laufenden Asylverfahren in eine Wohnung ziehen könnten, obwohl diese Information über eine Broschüre allen zugänglich sein sollte.

Häufig, so heißt es in der Studie, scheine die Suche jedoch an den Vermietern zu scheitern. In Dresden etwa seien private Vermieter oft nicht mit den Ausweispapieren der Flüchtlinge vertraut. Außerdem wollten Vermieter oft schlichtweg nicht an Zuwanderer vermieten. Bente Schmiade und Linda Blüml helfen seit über einem Jahr ehrenamtlich Geflüchteten in Berlin bei der Zimmersuche. Vorurteile seien ein echtes Problem, sagt die Malerin und Bildhauerin Blüml. Die Leute sagten oft, sie wollten helfen, "aber meine Wohnung ist neu, und das Parkett soll nicht kaputt gehen." Und das seien noch die harmloseren Vorbehalte.

Um Diskriminierung vorzubeugen, empfiehlt die Studie die Einrichtung von lokalen Beschwerdestellen mit juristischer Unterstützung. In der Regel, sagen Schmiade und Blüml, dauere die Vermittlung eines Zimmers ein halbes Jahr, inklusive Behördengänge. Obwohl die zwei Frauen fast ihre gesamte Freizeit opfern, konnten sie nach eigenen Angaben bisher nur 17 Zimmer vermitteln.

Die Autorinnen der Studie empfehlen Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt, mehr Sozialarbeiter einzustellen, um den Menschen bei der Suche zu helfen. Laut Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) ist das derzeit allerdings fast unmöglich: "Sie werden in Berlin zurzeit extreme Schwierigkeiten haben, akademisch ausgebildete, qualifizierte Sozialarbeiter zu finden", sagte LAF-Sprecher Sascha Langenbach.

Auch in Dresden sieht man die Empfehlung skeptisch. Das Büro der Sozialbürgermeisterin schreibt, von zu wenig Personal für die soziale Betreuung von Asylsuchenden könne keine Rede sein. Alle würden so lange begleitet, bis eine eigene Wohnung bezogen werden könne.

epd ost bas mg

Von Sophie Elmenthaler (epd)