Umwelt
Experten: Klimawandel kann Gesellschaften destabilisieren
Potsdam (epd). Klimaexperten haben eindringlich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt und zu Vorbereitungen auf Veränderungen aufgerufen. Eine Destabilisierung des Klimas könne "auch unsere Gesellschaft destabilisieren", erklärte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Mittwoch in Potsdam zum Auftakt einer internationalen Konferenz zum 25-jährigen Bestehen der Forschungseinrichtung.

Die Folgen der globalen Erwärmung führten nicht nur zu erheblichen ökonomischen Schäden, sondern gefährdeten auch die Gesundheit der Menschen in vielerlei Weise, verstärkten den Migrationsdruck und setzten die Entwicklungsperspektiven der Ärmsten der Welt aufs Spiel, hieß es. An der bis Freitag laufenden Konferenz nehmen rund 500 Wissenschaftler aus aller Welt teil.

Die gesellschaftlichen Kosten des Klimawandels seien nicht immer leicht zu berechnen, betonte das PIK: "Ihre Währung ist mitunter das menschliche Leiden."

Die Wissenschaft zeige, dass die aktive Begrenzung der globalen Erwärmung viel billiger sei, als einfach nichts zu tun, erklärte Hermann Lotze-Campen, Wissenschaftler am PIK und der Berliner Humboldt-Universität: "Nichtstun würde uns am Ende ein Vielfaches der rund zwei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung kosten, die wir für die Klimastabilisierung aufbringen müssten."

In diesen Abschätzungen würden jedoch Kosten für Gesundheitsschäden und zusätzliche Todesfälle von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, von potenzieller Massenmigration und anhaltender Armut noch gar nicht berücksichtigt, betonte Lotze-Campen. Klimawandelfolgen wie etwa Dürren könnten zudem dazu beitragen, dass bereits schwelende lokale Konflikte angefacht werden und es mancherorts zum Ausbruch von Gewalt kommt, hieß es weiter.

Die Welt müsse dringend den Klimafolgen zuvorkommen und Anpassungsmaßnahmen ausweiten, forderte UN-Klimaexpertin Koko Warner. Erforderlich seien unter anderem sichere und würdevolle Strategien für Migration für Herkunftsregionen, Transitländer und Zielgebiete. Dafür müssten auch Vorsorgestrategien und Notfallvereinbarungen für Herkunfts- und Zielländer entwickelt werden.

Der Klimawandel sei eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit, betonte Andy Haines von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Bei einem unverminderten Ausstoß von Treibhausgasen werde extreme Hitze Hunderte Millionen Menschen vor allem in ärmeren Ländern treffen. Auch eine weitere Ausbreitung tropischer Krankheiten, die etwa von Moskitos übertragen werden, sei zu erwarten.

epd ost yj phi