Ethik
Erste Ordination einer konservativen Rabbinerin nach 1945
Berlin/Potsdam (epd). Erstmals seit dem Holocaust ist in Berlin am Sonntag eine Rabbinerin nach konservativer jüdischer Tradition ordiniert worden. Ihre Ausbildung absolvierte die aus Baden-Württemberg stammende 42-jährige Nitzan Stein Kokin am 2013 eröffneten Potsdamer Rabbinerseminar Zacharias Frankel College. Die Rabbinerin soll zunächst in den USA eingesetzt werden, teilte die Hochschule mit.

Ziel des im 19. Jahrhundert in Deutschland entstandenen konservativen Judentums ist es, die jüdischen Traditionen nach modernen Grundsätzen auszurichten. Die Tora wird dabei ebenso wie im liberalen Judentum nicht wörtlich ausgelegt. Die Strömung versteht sich als Mittelweg zwischen jüdischer Orthodoxie und klassischer jüdischer Reformbewegung. Die erste konservative Rabbinerin wurde den Angaben zufolge 1985 in den USA ordiniert.

Rabbinerin Gesa Ederberg, die Stein Kokin ausgebildet hat und der konservativen, sogenannten Masorti-Gemeinschaft in Berlin vorsteht, sprach von einem Riesenschritt für das Judentum in Deutschland. Sie selbst habe vor 20 Jahren für ihre Ausbildung noch ins Ausland gehen müssen. Stein Kokin stammt den Angaben zufolge aus Ittersbach bei Karlsruhe und hat bislang als jüdische Religionslehrerin in den USA gearbeitet.

Das Zacharias Frankel College wurde in Zusammenarbeit mit der Leo Baeck Foundation aufgebaut und steht unter der religiösen Leitung der "Ziegler School of Rabbinic Studies" in Los Angeles in den USA. Zum Rabbinatsstudium gehören eine akademische und praktische Ausbildung. Die angehenden Rabbiner absolvieren ihre Ausbildung in einem Master-Studiengang an der School of Jewish Theology an der Universität Potsdam.

Das Potsdamer College ist nach Rabbiner Zacharias Frankel (1801-1875) benannt, der 1854 das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau im heutigen Polen eröffnete und die konservative Strömung des Judentums geprägt hat. Die "Leo Baeck Foundation" wurde 2001 aus Anlass des 50. Todestages von Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) errichtet. Sie soll durch die Förderung rabbinischer Studien das Judentum in Europa festigen und ausbauen sowie den interreligiösen Dialog fördern.

Anders als im orthodoxen Judentum müssen Rabbiner der konservativen und liberalen jüdischen Konfessionen Hochschulabschlüsse nachweisen, um offiziell anerkannt zu werden und Ämter in jüdischen Gemeinden übernehmen zu können.

epd ost csp/phi