Soziales
Einzelfallhelfer für Obdachlose in Berliner S-Bahn unterwegs
Berlin (epd). In der Berliner S-Bahn sind neuerdings spezielle Helfer für Obdachlose im Einsatz. Die beiden sogenannten mobilen Einzelfallhelfer seien bereits seit Anfang des Jahres tätig und zunächst für ein Jahr angestellt, teilten die Berliner Stadtmission und die S-Bahn Berlin am Donnerstag gemeinsam mit. Sie würden sich ausschließlich um schwer verwahrloste Obdachlose kümmern, die dem Sicherheitspersonal im S-Bahn-Verkehr auffielen.

Zwar habe die S-Bahn bereits erfolgreich Sicherheitspersonal oder Videoüberwachungen eingesetzt, um gegen Straftaten vorzugehen, betonte der leitende Sicherheitschef der S-Bahn, Jörk Pruss: "Aber wir haben kein Mittel, um mit Menschen umzugehen, die unsere Bahnen nutzen und extrem riechen oder aggressiv betteln."

In einer Kundenbefragung der S-Bahn hätten viele Menschen angegeben, dass sie vom Leid oder Geruch der Obdachlosen nichts mitbekommen wollen, ergänzte die Sprecherin der Stadtmission, Ortrud Wohlwend. Gleichzeitig hätten die befragten Kunden Hilfe für Menschen, die sich selbst bereits aufgegeben hätten, gefordert. "Wir dürfen keinen Menschen aufgeben", sagte Wohlwend. In Berlin gebe es zwischen 50 und 150 Menschen, die als hoffnungslose Fälle gälten. "Viele warten auf ihren Tod und nehmen das so hin."

Der mobile Einzelfallhelfer Sascha Sträßer betonte, dass kein Mensch hoffnungslos sei: "Es geht nur um genügend Zeit und Aufmerksamkeit." Zwar sei es mühsam und zeitaufwendig, Erfolge zu erzielen bei Menschen, die stark drogenabhängig oder psychisch krank seien, berichtete er: "Aber ich habe schon Menschen untergebracht, die vorher in der S-Bahn zu Hause waren."

Die beiden neuen Einzelfallhelfer begleiten die von ihnen betreuten Obdachlosen auch zum Jobcenter oder Sozialamt, hieß es weiter. Seit Anfang des Jahres hätten sie insgesamt mit etwa 15 betroffenen Obdachlosen Kontakt aufgenommen. Für das Projekt investiert die S-Bahn nach eigenen Angaben insgesamt 65.000 Euro.

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