Kultur
Eine beispiellose Einrichtung
Der weltweit erste Kindergarten von 1839 ist seit 30 Jahren Museum
Bad Blankenburg (epd). Die neue Einrichtung in Bad Blankenburg war ohne Beispiel und die Innovation des Reformpädagogen Friedrich Fröbel (1782-1852) machte die kleine Thüringer Kurstadt bei Saalfeld weltweit bekannt. Der Pfarrerssohn aus dem thüringischen Oberweißbach sollte mit der Gründung des ersten Kindergartens zum Klassiker der frühkindlichen Erziehung werden. Dabei hagelte es anfangs Kritik, die sogar im zeitweiligen Kindergartenverbot bei den Preußen gipfelte.

Der von ihm geprägte Begriff für seine Einrichtung beschrieb damals Fröbels Programm vom Aufwachsen der Kinder in einem "Garten-Paradies". Für die gezielte Förderung der Kinder und ihrer schöpferischen Fähigkeiten entwickelte er die "Spielgaben" Würfel, Walze und Kugel. Bevor Fröbel jedoch zum "Vater des Kindergartens" werden sollte, hatte er sich über drei Jahrzehnte intensiv mit Fragen von Bildung und Erziehung beschäftigt.

Das führte ihn bis in die Schweiz zu den Instituten Pestalozzis und bewegte ihn, 1816/17 in Keilhau bei Rudolstadt selbst eine Reformschule zu gründen. Das Museum zeichnet diese Entwicklung mit zahlreichen Bildern und Dokumenten anschaulich nach. Doch besonders für kleine Museumsbesucher dürfte es weitaus interessanter sein, mit den vielen bunten Bauklötzen, Legetäfelchen und Holzstäbchen zu spielen oder sich den richtigen Kniff der "Fröbel-Techniken" wie Falten oder Flechten zeigen zu lassen.

Mit Singen und Musizieren werden weitere Aspekte des spielerischen Lernens vermittelt, das Fröbel der Auffassung von Kindereinrichtungen als "Bewahranstalten" entgegenstellte. Was heute auf den ersten Blick simpel und altmodisch erscheint, sei damals "eine pädagogische Revolution" gewesen, sagt Museumsleiterin Margitta Rockstein. Denn bis weit ins 19. Jahrhundert sollten Einrichtungen für Kinder die Heranwachsenden lediglich vor den Gefahren des Alltags schützen.

Fröbel dagegen habe versucht, die Kinder durch ständige Anregung zu fördern. Dass dieses Konzept von bleibender Aktualität ist, zeige nicht zuletzt die bisweilen kontrovers geführte Bildungsdiskussion in Deutschland, sagt die Pädagogin, die das Museum seit 1982 leitet. In dieser Diskussion sieht sich die Einrichtung, die vor 30 Jahren ihren endgültigen Platz am authentischen "Fröbel-Ort" fand, in einer wichtigen Mittlerrolle.

Hierzulande müsse Fröbel "erst noch richtig entdeckt" werden, sagt Rockstein. Andere Länder wie Japan, Südkorea oder die USA seien da schon weiter. Längst hätten sie Fröbel als modernen Reformpädagogen für sich erkannt. Dagegen offenbarten die deutschen Debatten um dieses Thema bisweilen deutliche Defizite. Im Kern gehe es dabei um die Frage, ob Kinder in Kindertagesstätten weiterhin nur "bewahrt" werden - oder ob ihnen dort auch Bildungsinhalte vermittelt werden sollen.

Für letzteres gebe es in Ostdeutschland seit der einst flächendeckenden Kinderbetreuung in der DDR eine stärkere Tradition. Gleichwohl sei Fröbel damals zweifellos selektiv verstanden und ideologisch überformt worden. Heute gehe es um den ganzheitlichen Ansatz in Fröbels Pädagogik, betont Rockstein. Seine christlich geprägte Ethik gehöre dazu ebenso wie die naturwissenschaftlichen und mathematischen Ansätze.

Das Museum nutzt dies gezielt für regelmäßige Angebote zur Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Und die Museumsleiterin sieht die bundesweit große Nachfrage von Pädagogen durchaus auch als Bestätigung ihres Anliegens, spielerisches Lernen an immer neue Generationen zu vermitteln.

epd ost bi co

Thomas Bickelhaupt (epd)

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