Kultur
Ein Räuchermann für die Kanzlerin
Kunsthandwerker aus Seiffen fertigt Richard Wagner aus Holz
Seiffen (epd). Seit mehr als 20 Jahren entwirft Jürgen Beyer Räuchermännchen. Die Produktion läuft das ganze Jahr, ab September auf Hochtouren. Jetzt kam für den Kunsthandwerker noch ein Sonderauftrag dazu. Und der bringt ihn gleich in den Bundestag.

Richard Wagner nebelt. Aus dem schwarz befrackten Kapellmeister am Notenpult steigt Rauch auf. Der Seiffener Kunsthandwerker Jürgen Beyer hat den dirigierenden Komponisten als Räuchermännchen in Holz gestaltet. Die ersten 100 Stück der gedrechselten Figuren aus dem Osterzgebirge gingen schon über den Ladentisch - ein Auftragwerk der Volksbank Pirna, die damit für die Region das Jubiläumsjahr 2013 zum 200. Geburtstag Wagners einläutet.

Der "musikalische" Räuchermann soll aber auch im Richard-Wagner-Museum in Graupa bei Pirna verkauft werden, das am 12. Januar im ehemaligen Jagdschloss eröffnet wird. Wagner hielt sich im Sommer 1846 zehn Wochen zu einem Erholungsurlaub in Graupa auf und legte dort die komplette Kompositionsskizze seiner Oper "Lohengrin" an.

Ideengeber des Richard-Wagner-Räuchermanns ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig. Er hat schon drei Persönlichkeiten der Pirnaer Stadtgeschichte, darunter den Barockmaler Canaletto (1721-1780), bei Beyer drechseln lassen. Nun habe sich angeboten, eine Person der Musikgeschichte hinzuzufügen, sagt Brähmig.

Anfang August konfrontierte er den Kunsthandwerker mit Richard Wagner. Der machte sich an die Arbeit für einen Entwurf. Das augenfälligste sei für ihn die typische Mütze oder Kappe gewesen, sagt Beyer. Auf das Notenpult legte er dem früheren Dresdner Kapellmeister - passend zu Graupa - den Brautchor aus der Oper "Lohengrin".

Brähmig hatte wohl auch die Idee, einen Räuchermann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Musikliebhaberin und Wagner-Fan, persönlich vorbeizubringen. Und so reiste Beyer vor einigen Wochen nach Berlin und überreichte ihr den hölzernen Wagner am Rande einer Fraktionssitzung. "In fünf Minuten war alles vorbei", erzählt er. Sie habe ihn aber beeindruckt, vor allem "wie ruhig und gelassen die Frau ist".

Diese Eigenschaften helfen Beyer bei seiner Arbeit auch. Bis ein Räuchermann, der im Erzgebirge "Rachermannl" heißt, fertig ist, braucht es etwa 400 Arbeitsgänge und mindestens 75 bis 90 Minuten, erzählt er. Nur rund zehn Prozent der Teile entstehen an Automaten. Der Rest ist Handarbeit. Und die liegt im Detail. Allein der Notenständer für Wagner besteht aus sechs Teilen, die in der Endfertigung ineinander geklebt werden.

Ob der Musiker selbst Raucher war, ist eher ungewiss. Zumindest habe er den Tabakgenuss gesucht, sagt Christian Mühne vom Richard-Wagner-Museum Graupa. Da er ein sinnlicher Mensch war, müsse man das vermuten.

Was Beyers Räuchermännchen von den vielen anderen unterscheidet, vermag er selbst nicht zu sagen. Doch dem aufmerksamen Betrachter wird kaum entgehen, wie natürlich die Gesichter seiner Figuren aussehen. "Wir malen sie alle mit der Hand auf", erzählt der Kunsthandwerker. So gesehen ist jedes "Mannl" aus Beyers Seiffener Werkstatt ein Unikat.

Bei dem Unternehmer, der auch Pyramiden und Spieldosen herstellt, ist der Arbeitsplan für 2013 fertig. Unter den etwa 150 Räucher-Figuren, die er bisher entworfen hat, wählt der frühere Mathe- und Physiklehrer etwa 60 für die jährliche Produktion aus. "Berufe gehen immer", sagt er. Davon hat er genug: Den Waldarbeiter, Tischler, Bäcker, Chemiker oder Pfarrer, die Krankenschwester, Ärztin, Kellnerin oder den Versicherungsagenten. Auch den Lehrer Lämpel von "Max und Moritz" gibt es und die drei Volksmusiker von "De Randfichten" können ebenfalls nebeln.

Für Pirna fertigt Beyer derzeit die nächsten 100 Wagner-Männchen. Ob der Sonderauftrag "Komponist" bei ihm in Serie geht, wagt der Kunsthandwerker nicht zu sagen. Doch die Chancen dafür dürften im Jubiläumsjahr 2013 gut stehen. Zumindest ahnt er die "ganz große Sache".

epd ost kr bue

Katharina Rögner (epd)