Ethik
Der New Yorker Fotograf James Nachtwey
© epd-bild / Dietrich Flechtner
Dresdner Friedenspreis verliehen
Stadt steht beim Jahrestag der Kriegszerstörung am Montag wieder erneut im Blickfeld
Dresden (epd). Mit der Verleihung des Dresdner Friedenspreises und der Enthüllung eines neuen Denkmals ist am Wochenende in der Elbestadt der diesjährige Gedenktag an die Kriegszerstörung eingeläutet worden. Dresden erinnert am Montag an die Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945. In der Semperoper erhielt der Kriegsfotograf James Nachtwey am Samstag für sein herausragendes Friedensengagement den mit 25.000 Euro dotierten Dresden-Preis. In der wiederaufgebauten Frauenkirche wurde am Abend ein Requiem uraufgeführt.

Überschattet ist der Gedenktag in der Landeshauptstadt seit Jahren von Neonazi-Aufzügen. Am Montag werden bis zu 2.000 Rechtsextremisten in Dresden erwartet. Als Protest dagegen ist eine Menschenkette geplant, zu der rund 10.000 Menschen erwartet werden. Mitglieder von Parteien, Gewerkschaften und Einzelpersonen haben Proteste in Sicht- und Hörweite der Rechtsextremisten angemeldet. Auch mit Blockadeaktionen ist zu rechnen.

Zuvor lädt die Stadt auf den Dresdner Heidefriedhof zu einer Gedenkfeier ein. Vertreter aus Politik und Gesellschaft wollen für die Kriegsopfer weiße Rosen nieder legen. Bei den Luftangriffen der Alliierten auf Dresden im Februar 1945 kamen etwa 25.000 Menschen ums Leben.

In der Kreuzkirche am Altmarkt erinnert seit Samstag ein Sandsteinsockel an die bei den Bombenangriffen ums Leben gekommenen Pfarrer und Kruzianer. Das Postament im Haupteingangsbereich enthält die Namen der insgesamt 13 Opfer, die in der Bombennacht am 13. Februar in der Kreuzkirche starben. Die Einweihung fand am Abend im Anschluss an ein Gedenkkonzert des Kreuzchores statt.

In seiner Laudatio auf den Fotografen Nachtweys würdigte Filmregisseur Wim Wenders den 63-jährigen US-Amerikaner als einen Menschenfreund, der dem Krieg etwas entgegensetzt. "Da, wo Andere nichts wie weg wollen, begibt er sich hin", sagte er.

Nachtwey gilt als der bedeutendste Kriegsfotograf der Gegenwart. Eines seiner bekanntesten Bilder ist das vom zusammenbrechenden Südturm des World Trade Centers. Eine Ausstellung mit Arbeiten von ihm ist seit Sonntag im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zu sehen. Erstmals in Deutschland gezeigt wird der elf Meter lange Wandfries "The Sacrifice", eine Hommage an verletzte und gefallene US-Soldaten sowie irakische Zivilisten. Mit dem Dresden-Preis wurden bislang der letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (2010) und der Dirigent Daniel Barenboim (2011) ausgezeichnet.

Das für Dresden komponierte und am Samstagabend uraufgeführte Requiem stammt von der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach. In der Frauenkirche musizierten die Sächsische Staatskapelle sowie Chöre aus New Vork, London und Dresden.

Für das 18-sätzige Libretto zur "Ode an den Frieden" griff Auerbach neben dem Text der lateinischen Totenmesse auch auf eine Vielzahl anderer Vorlagen zurück. Es enthält Kyrie-Gesänge in 40 Sprachen und Gebete aus allen Weltreligionen. Für die 38-jährige in New York lebende Künstlerin sei das Requiem eine "Herzensangelegenheit". Wichtig sei ihr der Bezug zu Friedrich Schillers Menschheits-Ode "An die Freude", die zumindest in Teilen am Dresdner Elbufer entstanden ist, hieß es.

epd ost kr/jh jh