Umwelt
Deutschlands Gewässer in schlechtem Zustand
BUND fordert Umsetzung von EU-Vorgaben
Berlin (epd). Neun von zehn Flüssen und Seen in Deutschland (92 Prozent) sind nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in einem schlechten Zustand. Nur acht Prozent gelten als intakt. Die Ursachen seien neben zu viel Dünger und Pestizidverschmutzungen aus der Agrarindustrie und Schadstoffbelastungen durch den Bergbau vor allem die Begradigung und Vertiefung von Flüssen und Bächen, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Mittwoch in Berlin.

Positiv sei, dass die chemische Belastung der Gewässer durch den Ausbau von Klärwerken in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei, sagte Weiger bei der Vorstellung des BUND-Gewässerreports. Schaumberge und angespülte tote Fische gehörten der Vergangenheit an. Heute würden dafür zu viele Nitrate, Nährstoffe, Hormone und Pestizide aus der Landwirtschaft, aber auch Schadstoffe aus der Industrie oder Mikoplastik aus Produkten des täglichen Lebens die Wasseridylle "eher unsichtbar" trüben. Der Report basiert auf Daten des Umweltbundesamtes.

Seit 1954 wurden den Angaben zufolge rund 45 Milliarden Euro in Entwässerung, Begradigung und Ausbau von Flüssen in Deutschland investiert worden. Heute gebe es allein an den Bundeswasserstraßen 340 Stauanlagen und an jedem Fließgewässer bundesweit durchschnittlich alle zwei Kilometer ein Wehr oder eine Schleuse. Diese bremsten die natürliche Fließgeschwindigkeit und blockierten den Lebensraum von Fischen. Die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen sei eine gewaltige Aufgabe, für die mehr Geld und mehr Personal in den zuständigen Behörden gebraucht werde, sagte Weiger.

In den Wasserbehörden hat nach Eindruck des BUND schon lange ein Umdenken eingesetzt. Die Mitarbeiter seien bereit und sähen angesichts von sich häufenden Hochwasserkatastrophen die Notwendigkeit, die Gewässer wieder rückzubauen und zu renaturieren, aber sie bräuchten dafür den Auftrag der Politik, sagte der BUND-Vorsitzende weiter. Der bleibe aber aus.

Der Bundesregierung wirft der BUND vor, die im Jahr 2000 verabschiedete EU-Wasserrahmenrichtlinie zu verschleppen. Diese verpflichtete alle Mitgliedstaaten bis 2015 die Gewässer des Landes in einen "guten Zustand" zu versetzen. Dazu gehören unter anderem Deichrückverlegungen und die Anlage von zehn Meter breiten Gewässserrandschutzstreifen an Flüssen und Bächen. "Doch passiert ist kaum etwas", kritisierte Weiger. Stattdessen sei die Frist 2015 um zwölf Jahre bis 2027 verlängert worden. Zu befürchten sei, dass die Regierungsparteien den im Sommer beginnenden Überprüfungsprozess auf EU-Ebene nutzen wollen, um die Umsetzung weiter zu verschieben oder die bisher geltenden Standards abzusenken. Besonders die Industrie, Agrarindustrie und Binnenschifffahrt sei an einer Aufweichung der Parameter interessiert.

epd ost mg phi