Soziales
Denkmal für Opfer des DDR-Kinderheims Bad Freienwalde
Potsdam (epd). Die Opfer des in einem alten Gefängnis untergebrachten DDR-Kinderheims Bad Freienwalde bekommen ein Denkmal. Das einen Meter breite und zwei Meter hohe Mahnmal soll am 9. November in der brandenburgischen Kleinstadt eingeweiht werden, sagte Roland Herrmann, Vorsitzender des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde", am Mittwoch in Potsdam. Herrmann musste in der DDR nach eigenen Angaben nach Konflikten mit seinem Stiefvater, einem SED-Funktionär, 1979 und 1980 mit 14 Jahren gut ein halbes Jahr in dem Heim verbringen.

Das einstige Amtsgerichts- und spätere Frauengefängnis wurde in der DDR 1968 an die Jugendhilfe übergeben und sollte als Durchgangsheim für Kinder und Jugendliche dienen, die auf einen Heimplatz warten. Die Aufenthaltsdauer sollte 18 Tage nicht überschreiten, die Insassen wurden jedoch häufig länger als ein halbes Jahr dort festgehalten.

Mit Zwangsarbeit der Kinder und Jugendlichen für Betriebe habe das Heim jährlich rund 20.000 DDR-Mark erwirtschaftet, sagte Petra Morawe, Mitarbeiterin der brandenburgischen Aufarbeitungsbeauftragten. 1987 sei das Heim wegen der Zustände dort geschlossen worden. Die genaue Zahl der Insassen sei unbekannt, weil keine Unterlagen dazu erhalten seien. Die Kinder und Jugendlichen in dem Heim seien zwischen drei und 18 Jahren alt gewesen, sagte Herrmann. In dem sanierten Gebäude ist heute die Polizeiwache der Stadt untergebracht.

Die Bedingungen in Bad Freienwalde seien mit denen des berüchtigten DDR-Jugendwerkhofs in Torgau vergleichbar, der ebenfalls in einem Gefängnis untergebracht war, sagte Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke. Zwar sei das Heim in Bad Freienwalde nicht als Haftanstalt, sondern als Fürsorgeeinrichtung geführt worden. Aus der Perspektive der Insassen habe es jedoch keine Unterschiede zwischen den Einrichtungen gegeben.

Vertreter von SPD, CDU und Grünen begrüßten die Errichtung des Denkmals. Damit gehe auch der Appell einher, menschlich mit anderen umzugehen, auch wenn sie "aus der Norm fallen", betonte der Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD).

Jutta Lieske (SPD), Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterkandidatin in Bad Freienwalde, rief die Einwohner der Stadt zum Dialog über die Geschichte des Heims auf. In der Region stoße Kritik an der Einrichtung weiter auf Ablehnung, betonte Lieske. Es sei deshalb "dringend erforderlich vor Ort, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen". Allein der Umstand, dass Kinder in einem Gefängnis aufbewahrt wurden, sei erschütternd, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski.

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