Kultur
Bundespräsident eröffnet Schau "Der Luthereffekt" im Berliner Martin-Gropius-Bau
Nationale Sonderausstellung erzählt die weltumspannende Wirkungsgeschichte des Protestantismus
Berlin (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstagabend im Berliner Martin-Gropius-Bau die erste der drei nationalen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsjubiläum eröffnet. Unter dem Titel "Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt" wird auf rund 3.000 Quadratmetern die weltumspannende Wirkungsgeschichte des Protestantismus erzählt. An den Beispielen Schweden, USA, Korea und Tansania werden die globale Vielfalt und die Ausprägungen des Protestantismus aber auch sein Konfliktpotenzial zwischen Kulturen und Religionen thematisiert.

500 Jahre nach dem Anschlag der 95 Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche sei Martin Luthers (1483-1546) Kraft und Wirkung selbst auf fernen Kontinenten ungebrochen, sagte Bundespräsident Steinmeier. In der Ausstellung werde deutlich, wie sich die Ideen der Reformation immer verwoben haben mit vorhandenen Traditionen, Denkmustern und Kulturen und vielleicht gerade dadurch einen festen Platz im Leben der Menschen gefunden haben.

Hier liege auch der Schlüssel zum "Luthereffekt", der bis heute andauere, betonte Steinmeier. Weder Luther noch den meisten anderen Reformatoren sei es um eine Abkehr von der Welt gegangen. Ihr Grundgedanke sei die Einmischung und die Mitarbeit an einer lebenswerten Gesellschaft gewesen. Die Kraft dieser Botschaft sei noch längst nicht erschöpft, so der Bundespräsident.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, das Menschliche über die Unterscheidung zwischen gläubig und ungläubig, zwischen deutsch und nichtdeutsch, zwischen muslimisch, christlich oder jüdisch zu stellen, sei eine der wichtigsten demokratischen und eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften der Reformation überhaupt. Grütters lobte auch die Bereitschaft der Kirchen im Jubiläumsjahr, für ein Miteinander in der Vielfalt einzustehen. Das mache Hoffnung gerade in einer Zeit, in der religiöse Konflikte und religiöser Fundamentalismus weltweit erneut Angst und Schrecken verbreiten.

Für die Ausstellung in Verantwortung des Deutschen Historischen Museums (DHM) wurden mehr als 500 Exponate zusammengetragen. Darunter sind einige Stücke, die noch nie in Deutschland zu sehen waren wie etwa der 30 Arbeiten umfassende Bilderzyklus des südkoreanischen Malers Kim Ki-chang "Das Leben Jesu Christi". Sie zeigen, wie das Leben Jesu ausgesehen haben könnte, wenn er Koreaner gewesen wäre.

Dazu kommen zahlreiche historische Bibeln, Landkarten, Zeichnungen aber auch Fotos und multimediale Installationen. Zu sehen ist auch eine Fotoreportage des Fotografen Karsten Hein von lutherischen Gemeinden in Tansania. Empfangen wird der Besucher im Lichthof des Martin-Gropius-Bau von der gigantischen Klang- und Skulptureninstallation "Übergang" des Künstlers und Komponisten Hans-Peter Kuhn.

Die vier Beispielländer spiegelten die "unüberschaubare Vielfalt des Protestantismus" gut wider, sagte Kuratorin Anne-Katrin Ziesak. Schweden mit seiner lutherischen Staatskirche, die USA mit ihren ungezählten Freikirchen und dem Prinzip der religiösen Toleranz, Korea mit einem boomenden Protestantismus und Tansania, das mit sechs Millionen Mitgliedern nach Deutschland die zweitgrößte evangelisch-lutherische Kirche der Welt hat.

Die Schau ist eine von drei großen Ausstellungsprojekten zum Reformationsjubiläum. Die beiden Partnerausstellungen "Luther und die Deutschen" und "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" sind vom 4. Mai auf der Wartburg in Eisenach beziehungsweise ab 13. Mai im Wittenberger Lutherhaus zu sehen. Alle drei Sonderausstellungen enden am 5. November.

epd ost mg cxm