"Es ist wichtig, genau hinzuschauen, was in der Kirche möglich war und was nicht", sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler. Viele Menschen hätten sich von der Kirche im Stich gelassen gefühlt. "Das soll nicht die positive Rolle vieler einzelner Pfarrer mindern, die ihre Räume geöffnet haben für die Menschen, die in Not waren", fügte er hinzu.
Kritisch äußerte sich der Bundesbeauftragte für die Stasi-Akten auch zur Rolle des damaligen Berliner Konsistorialpräsidenten und stellvertretenden Vorsitzenden des DDR-Kirchenbundes, des späteren brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD). Es gebe Menschen, "die sich durch Manfred Stolpe in ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt gefühlt haben durch die Art und Weise, wie er mit dem Staat verhandelt hat". Jahn sagte, er habe für Stolpes Leistung für die Kirchen und die DDR-Opposition immer hohe Achtung gehabt. "Ich würde mir aber wünschen, dass auch er sich hinterfragt."
Der Evangelischen Kirche in Deutschland rät Jahn, ihre Mitte der 90er Jahre erfolgte Untersuchung von Stasi-Verstrickungen in der Kirche auf den neuesten Stand zu bringen, da inzwischen umfangreiche weitere Bestände der Stasi-Akten erschlossen sind. "Es ist ratsam, alle paar Jahre Forschungen zu ergänzen", sagte der Behördenleiter. Im Gespräch mit kirchlichen Mitarbeitern merke er immer, dass es Bedarf an solcher Forschung gebe: "Auch über alte Akten kann es immer wieder neue Sichtweisen geben, wenn man sie in ein neues Licht hält."
epd ost mg/ts bue

Bilder zum Thema finden Sie bei epd-Bild
