Umwelt
Brandenburgs Umweltminister sieht Erfolge beim Naturschutz
Naturwacht erfasst weniger Gesetzesverstöße in Schutzgebieten
Potsdam (epd). Brandenburgs Naturwacht hat für 2017 eine positive Bilanz für die 15 Großschutzgebiete des Landes gezogen. Beim Schutz gefährdeter Pflanzen wie Orchideen sowie von Fledermäusen und anderen bedrohten Tierarten seien Erfolge zu verzeichnen, sagte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch in Potsdam. Die seit 27 Jahren bestehende Naturwacht leiste mit der Kontrolle der Schutzgebiete, der Umsetzung von Schutzmaßnahmen, mit Bestandsaufnahmen und Monitoring gefährdeter Arten und ihrer Umweltbildungsarbeit einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz.

Mit den Großschutzgebieten, die auf rund 9.000 Quadratkilometern ein Drittel der Landesfläche Brandenburgs umfassen und in Verantwortung des Landes verwaltet werden, sei das Bundesland einmalig, betonte Vogelsänger. Zu den Schutzgebieten gehören der Nationalpark Unteres Odertal, die Biosphärenreservate Spreewald, Schorfheide-Chorin und Flusslandschaft Elbe sowie elf Naturparks. Um die Schutzgebiete kümmern sich 92 Ranger der Naturwacht.

Im Naturpark Barnim sei die Zahl der Fledermäuse seit dem Umbau alter Bunker zu Winterquartieren für die Tiere von 84 vor zehn Jahren auf 333 im vergangenen Jahr gestiegen, sagte Manfred Lütkepohl, Leiter der Naturwacht. Zugleich sei eine bemerkenswerte Artenvielfalt zu verzeichnen. Nachgewiesen wurden neun Arten, darunter das Große Mausohr, die Mopsfledermaus und der Große Abendsegler. Im Spreewald seien nach der Verdrängung von Flussseeschwalben durch Lachmöwen erfolgreich bessere Brutmöglichkeiten für die Schwalben geschaffen worden, sagte Lütkepohl.

Probleme bereite die Ausbreitung sogenannter invasiver Arten wie Waschbären, die eigentlich nicht in der Region heimisch sind und nun unter anderem verschiedene Vogelarten als Fressfeinde gefährden, sagte Vogelsänger. Waschbären seien die einzige Art, die auch kleine Schildkröten "knacken können". Deshalb sei es derzeit nicht möglich, neue Gebiete zur Auswilderung von Sumpfschildkröten in Brandenburg zu finden. Bei Maßnahmen gegen die aus Nordamerika stammenden Raubtiere seien auch Jäger gefragt, betonte der Umweltminister: "Waschbären darf man abschießen."

Die Zahl der Gesetzesverstöße in den Naturschutzgebieten sei 2017 erneut zurückgegangen, hieß es. Während 1999 noch fast 8.000 Verstöße festgestellt wurden, waren es 2016 noch 863 und im vergangenen Jahr 782 illegale Vorfälle. Schwerpunkte waren das Abladen von Müll, unerlaubtes Zelten und illegale Feuer sowie das Verlassen vorgegebener Wege. Zu den besonders schweren Verstößen zählten 2017 die Ablagerung von Sperrmüll im Deichvorland an der Elbe und der illegale Umbruch von Grünland im Naturpark Märkische Schweiz, sagte Lütkepohl.

Die Naturwacht hat 2017 ihrem Jahresbericht zufolge auch mehr als 1.000 Wassermessstellen für Qualitätsprüfungen ausgewertet, 45 Nisthilfen für Großvögel wie Weißstörche, Fisch- und Seeadler sowie 219 Nisthilfen für kleinere gefährdete Vogelarten wie Wiedehopf und Schellente gebaut und betreut. Außerdem wurden den Angaben zufolge unter anderem 22 Orchideenwiesen und andere Flächen mit schutzwürdiger Vegetation gepflegt und 55 Standorte für Amphibienschutzzäune an Straßen eingerichtet und mehrmals täglich kontrolliert.

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Von Yvonne Jennerjahn (epd)