Kirche
Bischöfin Junkermann: Dürfen uns nicht wegducken
Erfurt (epd). Zur Teilnahme an der bundesweiten Fastenaktion "Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen" hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) aufgerufen. Mit dem Motto für 2018 wolle man werben, die eigene Meinung öffentlich zu vertreten, teilte die EKM am Montag in Erfurt mit.

Ohne Debatten komme eine Gemeinschaft nicht weiter. "Wir alle haben unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungen und müssen im Gespräch bleiben. Deshalb gehört zu einer Gemeinschaft die Auseinandersetzung", sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann. Dafür sei es notwendig, "dass wir uns nicht wegducken, sondern öffentlich zeigen, wofür wir stehen und nicht anonym in Internetkommentaren", so Junkermann.

Die Fastenzeit sei für Christen eine Periode des Nachdenkens über die eigene Existenz. In Zeiten, in denen Debatten "wieder dringend geboten sind", sollten sich der Botschaft Jesu Christi zugewandte Menschen nicht verstecken oder untertauchen, fügte sie hinzu. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist das Fasten nach ihren Angaben für viele Gläubige ein fester Bestandteil des Kirchenjahres. Viele verzichteten zum Beispiel auf Alkohol, Zigaretten, Fleisch, Süßigkeiten, Autofahren oder eingeschliffene Gewohnheiten. Kirchengemeinden und Einrichtungen der EKM machten spezielle Angebote wie Fastenkurse oder würden zu besonderen Aktionen, Andachten und Gottesdiensten zur Fastenzeit einladen.

Sie selbst wolle in diesem Jahr versuchen, möglichst auf Fleisch und Fleischwaren zu verzichten. Auch sie lebe letztlich auf Kosten vieler armer Menschen in der Welt. Diese könnten "nur dann mehr zum Überleben und Leben bekommen, wenn wir ihnen mehr lassen, also weniger verbrauchen", erklärte die Bischöfin ihre Motivation. Der Fleischkonsum verbrauche ein Vielfaches an Anbauflächen und Energieressourcen gegenüber dem, was der Anbau von Gemüse und Obst benötige. Und nicht zuletzt: "Weniger Fleischgenuss ist ein Mehr an Gesundheit", sagte Junkermann.

Mit dem Aschermittwoch beginnt nach christlicher Tradition die 40-tägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Die Bezeichnung "Aschermittwoch" weist auf alte Übungen hin, nach denen man sich als Zeichen der Buße für begangene Sünden zu Beginn der Fastenzeit mit Asche bestreut hat. Dabei steht die Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu Christi im Mittelpunkt.

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