Ethik
Aufruf zur Bekämpfung rechter Strukturen in Wurzen
Wurzen (epd). Mehrere Vereine und Initiativen haben zur Geschlossenheit bei der Bekämpfung rechter Strukturen im nordsächsischen Wurzen aufgerufen. "Wir haben in Wurzen tiefgreifende Probleme mit rassistischen Einstellungen und Gewalt", sagte Martina Glass vom Netzwerk Demokratische Kultur in Wurzen am Donnerstag: "Wir müssen sie mit vereinten Kräften angehen." Der Ort bei Leipzig sei einer der Brennpunkte rechtsmotivierter Gewalt in Sachsen.

Die Opferberatung RAA Sachsen hat in der 16.000-Einwohner-Stadt in den vergangenen drei Jahren eigenen Angaben zufolge 45 rassistisch motivierte Angriffe registriert. Betroffen seien vor allem Flüchtlinge, sagte Fachreferentin Andrea Hübler. Eine Ursache sehe sie "ganz klar in der starken Neonazi-Szene der Region, die Konflikte immer wieder provoziert und anheizt", betonte Hübler: "Neonazis lassen ihrer rassistischen Propaganda auch Taten folgen." Dessen sollte man sich in Wurzen bewusst sein.

Auch das Netzwerk Tolerantes Sachsen rief zu einer klaren Positionierung und einer "Zusammenarbeit aller Akteure gegen Rechts" auf. Das Netzwerk teile die Einschätzung des Politikwissenschaftlers Hajo Funke, der Mitte Januar vor einer Zurückdrängung des Rechtsstaats durch rechte Gewalt gewarnt hatte. Der "Leipziger Volkszeitung" hatte Funke gesagt, zivilgesellschaftliches Engagement reiche "in bestimmten Eskalationsstufen" nicht mehr aus. Wenn man rechtsextremen Strukturen keinen Einhalt gebiete, könne das "der Beginn von Rechtsterror in einer Stadt sein", warnte Funke.

In Wurzen kommt es immer wieder zu rassistischen Vorfällen und Angriffen auf Flüchtlinge. Zuletzt hatte ein Vorfall in der Nacht zum 13. Januar für Schlagzeilen gesorgt. Unter noch nicht geklärten Umständen waren in Wurzen wohnende Ausländer und Asylbewerber mit Einheimischen aneinandergeraten. Fünf Menschen wurden verletzt.

epd ost sue yj