Kirche
Auf Bettensuche in der S-Bahn
Göring-Eckardt wirbt für Privatquartiere zum Kirchentag
Berlin (epd). "Sie werden großartige Leute kennenlernen, vielleicht Freundschaften fürs Leben finden - möglicherweise ist sogar schon so manche Ehe entstanden", schallte es am Donnerstag aus den Lautsprechern der Ringbahn S42. Die Stimme mag manch einer erkannt haben: Es war die Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Gäste für sich gewinnen wollte. Gemeinsam mit dem Berliner S-Bahn-Geschäftsführer Bastian Knabe warb sie für Privatquartiere zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag Ende Mai.

"Ich hoffe, wir haben mit der Aktion für die Kampagne noch mal kräftig Schub bekommen", sagte Göring-Eckardt, die auch Mitglied des Kirchtentags-Präsidiums ist. Jemanden bei sich Zuhause aufzunehmen, lohne sich sehr: "Es sind dabei schon viele tiefe Freundschaften entstanden." Bastian Knabe, Geschäftsführer Finanzen der S-Bahn Berlin, sagte, die Privatquartierskampagne sei eine sympathische Idee, die vielen Menschen die Teilnahme am Kirchentag überhaupt erst ermögliche. Auch die Bahn leiste einen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung: "Über fünf Tage wird das Fahrtenangebot im S-Bahn-Netz teilweise erheblich erhöht", erklärte er.

Nicht nur die Lautsprecherdurchsagen sollten die Gäste auf die Kampagne aufmerksam machen: Mit einem Miniatur-Bett im Kirchentags-Design gingen Knabe und Göring-Eckardt durch die Gänge des Zuges, verteilten Flyer und kamen mit den Menschen persönlich ins Gespräch. Einige zeigten sich interessiert, andere wussten nicht so recht, womit sie es zu tun hatten. Eine junge Frau gab zu: "Kirchentag? Noch nie gehört." Einen Flyer nahm sie trotzdem. Auch der Zug selbst, die sogenannte Kirchentags-S-Bahn, zog viele Blicke auf sich: Er ist im orangefarbenen Design des Protestantentreffens und seiner Losung "Du siehst mich" beklebt.

Am Ende zog Göring-Eckardt eine positive Bilanz: "Es gab viele Leute, die sehr aufgeschlossen und interessiert waren." Es habe natürlich auch Menschen gegeben, die direkt abgelehnt hätten, fügte sie hinzu. Generell ist die Grünen-Politikerin zuversichtlich, alle Gäste, die einen Schlafplatz bei privaten Gastgebern suchen, auch dort unterbringen zu können: "Ich glaube, wir schaffen das." Noch fehlten zwar einige Unterkünfte. "Es kommen spontan aber bestimmt noch einige Gastgeber dazu. Ich glaube, die Berliner planen eher nicht langfristig."

Unter dem Motto "Ham' Se noch wat frei?" sucht der Kirchentag für den Zeitraum vom 24. Mai bis 28. Mai insgesamt 15.000 private Unterkünfte in Berlin und Potsdam. Die Kampagne steht unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller (SPD). Zum Kirchentag Ende Mai werden in der Hauptstadt rund 140.000 Teilnehmer erwartet. Die Abschlussveranstaltung ist anlässlich des 500. Reformationsjubiläums in Wittenberg geplant.

Wer einen Kirchentagsgast aufnehmen möchte, braucht laut Veranstalter kein Gästezimmer. Ein Bett, ein Sofa oder eine Liege und ein kleines Frühstück am Morgen reichten völlig aus. In Privatquartiere möchten die Kirchentag-Organisatoren vor allem Familien, ältere Teilnehmer, Menschen mit Behinderung und internationale Gäste unterbringen. Die Gäste werden nach einem Fragebogen individuell für jeden Gastgeber ausgesucht. Zudem seien alle haftpflichtversichert.

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Von Lynn Osselmann (epd)