Soziales
Armutskonferenz: Gesundheitsleistungen sind für Arme zu teuer
Berlin (epd). Die Nationale Armutskonferenz hat die Politik aufgefordert, die Gesundheitsversorgung für Menschen mit geringem Einkommen zu verbessern. Ausgaben für die Gesundheit stellten diese Bevölkerungsgruppe vor unüberwindbare Finanzierungsprobleme, erklärte der Zusammenschluss aus Wohlfahrtsverbänden, dem DGB und Selbsthilfe-Initiativen am Donnerstag in Berlin.

Im Einzelnen forderte die Armutskonferenz eine vollständige Kostenbefreiung für Hartz-IV-Bezieher sowie für Menschen, die auf den Kinderzuschlag für Geringverdiener oder Wohngeld angewiesen sind. Diese Gruppe könne die Zuzahlungen zu Medikamenten und Klinik-Aufenthalten nicht leisten, auch dann nicht, wenn sie ab einem Satz von einem beziehungsweise zwei Prozent ihres Einkommens von weiteren Zuzahlungen befreit werden.

Kritisch sieht die Armutskonferenz auch die Situation von Asylbewerbern. Ihnen stehen nur Akut- und Schmerzbehandlungen zu. Gefährdet seien zudem privat und gesetzlich Versicherte, die ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können, hieß es. Auch sie bekommen nur eine Notfallbehandlung.

Die Politik habe sich weit von diesen Problemen entfernt, kritisierte die Armutskonferenz und forderte die Wiedereinsetzung der Arbeitsgruppe "Armut und Gesundheit" beim Bundesgesundheitsministerium. Die Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg und Sprecherin der Armutskonferenz, Barbara Eschen, sagte, Armut bedeute höhere Erkrankungsraten und eine deutlich geringere Lebenserwartung.

Nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts haben Männer aus dem oberen Viertel der Gesellschaft eine um elf Jahre höhere Lebenserwartung als im unteren Viertel, bei Frauen beträgt der Unterschied acht Jahre. Das Institut sieht auch einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und chronischer Bronchitis sowie psychischen Leiden wie Depressionen sind sozial Schwächere deutlich häufiger betroffen.

epd ost bas yj