Ethik
Arbeitszimmer von Stasi-Chef Mielke restauriert
Kulturstaatsminister Neumann spricht von bedeutenden "Ort der Täter"
Berlin (epd). Der frühere Dienstsitz des Ministers für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielke, in der Berliner Normannenstraße, ist für 10,6 Millionen Euro denkmalgerecht saniert worden. Am Samstag soll das heutige Stasi-Museum mit einem "Bürgerfest" wieder der Öffentlichkeit übergeben werden. Dazu werden unter anderem der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und seine beiden Amtsvorgänger, Joachim Gauck und Marianne Birthler, erwartet.

Das Geld für die Sanierung des 1961 fertiggestellten Gebäudes wurde im Rahmen des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes vom Bundesbauministerium aus Mitteln des Konjunkturpakets II zur Verfügung gestellt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bezeichnete die frühere Stasi-Zentrale als einen wichtigen "Ort der Täter", der bewahrt werden müsse.

"Ihre denkmalgerechte Sanierung ist ein weiterer bedeutender Meilenstein bei der verstärkten Aufarbeitung des SED-Unrechts", sagte Neumann am Mittwoch in der Hauptstadt. "Gerade von hier ging der unmenschliche Terror aus, der die DDR als Diktatur, als einen Staat mit Unterdrückung und Repression kennzeichnete."

Der Bundesbeauftragte Jahn sagte, es gebe keinen besseren Ort, um den nachfolgenden Generationen zu vermitteln, was Diktatur bedeutet. Er wünsche sich, dass das frühere Stasi-Gelände in der Normannenstraße in Zusammenarbeit mit Opferverbänden und Bürgerrechtsinitiativen zu einem "Campus der Demokratie" gestaltet werde, an dem durch Bildungs- und Aufklärungsarbeit das Demokratiebewusstsein gestärkt wird.

Der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba (CDU), sprach von einem Ort von großer historischer und emotionaler Bedeutung. In jeder Ecke des Gebäudes spiegele sich der Geist der DDR "bis ins Detail" wieder, sagte Bomba.

Das 1960/1961 errichtete Haus 1 gilt als Herzstück des etwa zwei Hektar großen Areals in Berlin-Lichtenberg, auf dem die Stasi bis zur Erstürmung durch Bürgerrechtler und Demonstranten am 15. Januar 1990 ihre Zentrale hatte. In den Amtsräumen von Stasi-Chef Mielke eröffnete im November 1990 das Stasi-Museum, das sich auch als Forschungs- und Gedenkstätte versteht.

In den vergangenen 18 Monaten wurde unter anderem Mielkes Arbeitszimmer wieder in den Originalzustand von 1961 versetzt. Zudem wurde die Fassade originalgetreu saniert und der alte Bodenbelag ausgetauscht. Betreiber des Museums ist der Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße.

epd ost mg co

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