Kirche
Altbischof Hoffmann: DDR nicht auf Stasi beschränken
Weimar (epd). Die Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit darf aus Sicht des früheren Thüringer Landesbischofs Roland Hoffmann nicht allein auf die Stasi beschränkt werden. Die Diskussion über das Bußwort der Landessynode im Herbst 2017 in Erfurt zeige, dass der Weg zur Versöhnung zu schmal angelegt sei, sagte Hoffmann im Gespräch mit der in Weimar erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube + Heimat" (Ausgabe vom 20. Mai). In dem Papier hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Versäumnisse bei der Begleitung und Unterstützung von Opfern der DDR-Diktatur in der Kirche eingeräumt und diese um Vergebung gebeten.

Sein früherer Vorschlag, ein Trauerjahr in der Landeskirche einzulegen, um sich ausführlich mit dem Thema zu beschäftigen, sei leider weitgehend abgelehnt worden, beklagte Hoffmann, der am Montag seinen 80. Geburtstag begeht. "Damit hätten wir die gesamte Breite des Erinnerns gehabt und nicht nur die Engführung, diese Schmalspur-Verarbeitung in Sachen Stasi." Hoffmann sprach sich gegen einen Schlussstrich unter die DDR-Geschichte der Kirche aus. Die Vergangenheit solle aber seiner Meinung nach ohne Schuldzuweisung analysiert werden.

Den aktuellen Zustand der Kirche bezeichnete der Altbischof als positiv. "Ich erlebe unsere Kirche vorwiegend in den Gemeinden und kann mich da bloß freuen", so der Geistliche. Er stelle dort einen Aufbruch fest. "In Zeiten, in denen das Ein-Mann-System des Pfarrerseins zusammenbricht, kommen Jung und Alt, um ehrenamtlich mitzuarbeiten." Das stimme ihn hoffnungsvoll. Er wünsche sich, "dass wir bei allem, was wir tun und tun müssen, fröhlicher sind, weniger klagen und hoffnungsvoller das tun, was jeden Tag nötig ist".

Altbischof Hoffmann leitete von 1992 bis 2002 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen mit Amtssitz in Eisenach. Zum 1. Januar 2009 trat die Fusion der Landeskirche mit der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in Kraft. Ihr gehören mit Stand 31. Dezember 2016 etwa 733.000 evangelische Christen an; rund 450.000 davon in Thüringen und etwa 240.000 in Sachsen Anhalt. Die übrigen Mitglieder stellen Gemeinden in den Randgebieten von Brandenburg und Sachsen.

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