Ethik
450 bunte Tischgesellschaften für Offenheit und Demokratie
Diakonie-Präsident Lilie wirbt für demokratische Streitkultur
Berlin (epd). Mehrere Tausend Menschen sind am Samstag dem Aufruf der Initiative "Die Offene Gesellschaft" gefolgt und haben sich zu einem gemeinsamen Essen unter freiem Himmel versammelt. Deutschlandweit trafen sich zum "Tag der offenen Gesellschaft" in rund 450 Tafelrunden Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten. Ziel war der friedliche Meinungsaustausch jenseits populistischer Parolen. Am Montag will die Initiative Bilanz ziehen. Unterstützt wird sie von zahlreichen Prominenten wie etwa Schauspielerin Katja Riemann, Kulturmanager Martin Roth und dem Soziologen Harald Welzer.

Zum Auftakt sagte einer der Initiatoren, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, am Samstag in Berlin, nur der demokratische Streit und der friedliche Wettbewerb um die besten Konzepte schaffe neue Chancen angesichts der Veränderungen und Unsicherheiten in der Welt.

In Berlin war unter anderem eine lange Tafel mit Prominenten auf dem Tempelhofer Feld geplant, darunter Katja Riemann und Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge. Außerdem sollten an weiteren rund 50 Orten der Hauptstadt Tische und Stühle rausgestellt werden, um ein Zeichen für Weltoffenheit und demokratische Werte zu setzen.

Den 17. Juni, Jahrestag des Volksaufstands 1953 in der DDR, wählten die Initiatoren dabei nicht zufällig. Er stehe für Zivilcourage und den Einsatz für Freiheit, Demokratie und Einheit, hieß es im Aufruf. Die Bürgergesellschaft müsse diese Werte verteidigen und dürfe das Feld nicht den Rechtspopulisten und autoritären Strömungen überlassen.

Der ehemalige Direktor des Victoria and Albert Museums in London, Martin Roth, erklärte, die Aktion solle dazu dienen, sich über die Werte einer offenen Gesellschaft bewusstzuwerden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, "es gibt kein schöneres Symbol für unsere Demokratie als einen gedeckten Tisch, an dem jede und jeder Platz nehmen kann, um miteinander ins Gespräch zu kommen". Eine offene Gesellschaft lebe von Begegnung, Offenheit und Toleranz.

Bischof Dröge erinnerte an die Runden Tische zum Ende der DDR, die den Übergang zur Demokratie ermöglicht hätten. Als Christ bitte er um den Geist der Versöhnung: "Er beginnt dort zu wehen, wo wir in jedem Menschen unseren Bruder und unsere Schwester sehen, mit gleicher Würde und gleichem Lebensrecht beschenkt", sagte Dröge.

Die Initiative "Die offene Gesellschaft" entstand im Herbst 2015. Auf mehr als 500 Veranstaltungen wurden nach eigenen Angaben bisher mehr als 10.000 Menschen erreicht. In der Initiative sind Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen engagiert. Zu ihren Partnern gehören unter anderem die Open Society Foundation, die Robert Bosch Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung, die Stiftung Futurzwei und die Diakonie.

epd ost phi