Ethik
"Weißer Ring" erstattet Anzeige
Mainz, Lübeck (epd). Die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" will Strafanzeige gegen ihren früheren Lübecker Außenstellenleiter erstatten, der mehrere hilfesuchende Frauen sexuell belästigt haben soll. "Das mutmaßliche massive Fehlverhalten des ehrenamtlichen Mitarbeiters in Lübeck erschüttert uns sehr", sagte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter am 19. März in Mainz. Den mittlerweile eingereichten Rücktritt des schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden Uwe Döring bezeichnete sie als einen richtigen und wichtigen Schritt. Die Aufarbeitung der Geschehnisse und ein klarer Neubeginn in Schleswig-Holstein würden dadurch erleichtert.

Am Wochenende (17./18. März) hatten das Nachrichtenmagazin "Spiegel" und die "Lübecker Nachrichten" gemeldet, dass zwei betreute Frauen unabhängig voneinander in eidesstattlichen Erklärungen Vorwürfe gegen den pensionierten Polizeibeamten erhoben hatten. Der Mann soll die Frauen im Jahr 2016 unter anderem zu sexuellen Handlungen aufgefordert und sich bei einem Gespräch vor einer von ihnen entblößt haben. Zudem gebe es Hinweise auf weitere Fälle, die schon länger zurückliegen. Die Anschuldigungen waren demnach sowohl beim "Weißen Ring" in Schleswig-Holstein als auch beim Lübecker Frauennotruf möglicherweise bereits seit Jahren bekannt. Der Mitarbeiter hat die Beschuldigungen vehement zurückgewiesen.

Auf Bundesebene will der Vorstand des "Weißen Rings" am Mittwoch (21. März) über weitere Konsequenzen aus den Vorgängen beraten. Dabei soll es auch um mögliche Satzungsänderungen bei dem Verein gehen, um künftig in ähnlichen Situationen schnell reagieren zu können. Der 1976 gegründete "Weiße Ring" berät seit mehr als 40 Jahren Kriminalitätsopfer und bietet ihnen Unterstützung bei Behörden- und Gerichtsterminen an. Deutschlandweit unterhält die Organisation mit Sitz in Mainz rund 420 Außenstellen mit insgesamt 3.200 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

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