Kultur
Völkerkundemuseum zeigt Alltagsleben in Südkorea
Hamburg (epd). Im Kontrast zu den aktuellen Schlagzeilen über die politischen Spannungen zwischen Nord- und Südkorea gibt das Hamburger Völkerkundemuseum Einblick in den Alltag im heutigen Südkorea. Die neue Ausstellung stellt unter dem Motto "Uri Korea" ("Unser Korea") die kulturelle Tradition Koreas dem modernen Leben gegenüber. Die Ruhe der Tradition stehe einer Kultur der Beschleunigung gegenüber, sagte Museumsdirektorin Barbara Plankensteiner. Die Ausstellung soll über mehrere Jahre gezeigt werden und wurde gemeinsam mit dem National Folk Museum in Seoul entwickelt.

Empfangen werden die Besucher mit Botschaften von Deutschen und Südkoreanern, die die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern deutlich machen: die Teilung des Landes, der Bruch mit der Tradition und der wirtschaftliche Aufschwung in den letzten Jahrzehnten. In Interviews sprechen Südkoreaner über ihre Erfahrungen als Arbeitskräfte in Deutschland.

Größeren Raum nimmt in der Ausstellung das Essen ein. Gekauft wird trotz zahlreicher Shopping-Center auch heute noch auf Straßenmärkten. Fischkuchen und Goldfisch-Brote sind beliebte Snacks der Gar-Küchen. Nach Feierabend treffen sich die Südkoreaner zum gemeinsamen Essen. Mäntel und Jacken werden in den Sitzhockern verstaut. Alle essen aus gemeinsamen Schüsseln, und meistens zahlt der Älteste die Gesamtrechnung. Eine Karaoke-Box veranschaulicht eines der Lieblingshobbys der Südkoreaner. Besucher, die die koreanische Schrift lesen können, dürfen mitsingen.

Eher fremd wirken auf Besucher die Mundschutz-Tücher gegen UV-Strahlen, gewürzter Seetang als Delikatesse und der Kimchi-Kühlschrank, der das traditionelle Kimchi-Gericht aus Chinakohl, Rettich, Meeresfrüchten und Chili haltbar macht. Vertraut wirken dagegen die Smartphones von Samsung und LG. Ausgestellt ist ein Moped, wie es typisch für die weit verbreitete Essensbelieferung in Südkorea ist - mittlerweile auch ein Trend in deutschen Städten.

Die historische Teil der Ausstellung macht deutlich, wie stark sich die koreanische Gesellschaft innerhalb von 150 Jahren gewandelt hat. Die strenge Hierarchie der Bevölkerung zeigte sich noch bis zur Jahrhundertwende augenfällig durch unterschiedliche Hüte, die für ein ausgeprägtes Gruß-Ritual sorgten.

"Bildung war der Schlüssel zum Status", sagte Kuratorin Susanne Knödel. Doch Bildung sei seinerzeit sehr teuer gewesen und ein Aufstieg nur selten möglich. Gezeigt wird auch ein aus Stoff gefertigtes Beamten-Beförderungsspiel, mit dem Kinder die Aufstiegsstufen im Staat lernen konnten.

Frauen der Oberschicht hatten ihren Wirkungsbereich auf das eigene Haus zu beschränken. Ein Frauenmantel zeigt, dass sie auf der Straße völlig verhüllt waren und nur einen schmalen Sehschlitz hatten. Traditionell trugen sie ein kleines Schmuckmesser, mit dem sie männliche Belästiger und Angreifer abwehren konnten. Half dies nicht, so galt es ehrenvoll, sich damit selbst zu töten.