Kirche
Scholz zum Reformationsjubiläum
Hamburg (epd). Die Reformation hat nach den Worten von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) Hamburgs Entwicklung positiv beeinflusst. Sie sei eine beispiellose Bildungsoffensive gewesen, sagte Scholz am 31. Oktober beim Festgottesdienst im Michel. Bischöfin Kirsten Fehrs betonte, die Reformation habe eine solche Kraft entwickelt, weil sie eine "Entdeckung des Ich" gewesen sei. "Ich bin so frei, selber zu denken." Die Gemeinschaft dürfe dabei aber nicht aus dem Blick geraten. Fehrs: "Es geht darum, das Ich stark zu machen für ein neues Wir."

Scholz erinnerte daran, dass um das Jahr 1517 Hamburg nur vier Kirchen, aber mehrere hundert Brauereien gehabt habe. Bereits elf Jahre später sei Hamburg lutherisch geworden und habe 1529 eine neue Stadtverfassung bekommen, die den Bürgern mehr Mitsprache einräumte.

Luther sei aber auch fundamentalistisch und opportunistisch gewesen, gab der Bürgermeister zu bedenken. Es sei eine große Leistung des Protestantismus, die Widersprüchlichkeit von Reformator und Reformation zu akzeptieren. "Dass Religion und Aufklärung kein Widerspruch sein müssen, das ist im Lutherjahr ein wichtiges Signal."

Die Reformation könne auch heute noch Impulse zur Veränderung geben, sagte die Bischöfin in ihrer Predigt vor mehr als 2.500 Besuchern. Luther habe überkommene Strukturen infrage gestellt. "Ein einzelner Mensch, der der Institution mit großer Distanz gegenüber steht - das ist ein ziemlich modernes Phänomen." So müssten Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Institutionen immer wieder um Akzeptanz werben.

"Menschen brauchen Institutionen, wenn nicht das Recht des Stärkeren herrschen soll", sagte Fehrs. Hier könne der Reformationstag künftig eine wichtige Rolle spielen. Es gehe dabei nicht um konfessionelle Abgrenzung, sondern um eine Besinnung auf gemeinsame Wurzeln und notwendige Veränderungen. Der Glaube verändere nicht deshalb die Welt, weil die Kirche etwas fordere, sondern weil verantwortungsbewusste Christenmenschen in Beruf und Politik dafür einstehen.

Plattdeutsch-Autor Gerd Spiekermann wies in der Rolle als Hamburger Reformator Johannes Bugenhagen auf die Erfolge der Reformation hin. Dazu zählten Volksbildung durch Schulen, Armenfürsorge, ärztliche Versorgung und öffentliche Bibliotheken. Spiekermann ermahnte die Kirche: "Blievt dicht bi de Minschen. Snackt ehr Sprook." ("Bleibt dicht bei den Menschen. Redet ihre Sprache.")

Synoden-Präses Andreas Tietze dankte allen, die sich im Reformationsjahr für einen Dialog über politische, weltanschauliche und religiöse Grenzen hinweg eingesetzt haben. Wenn es gelungen sei, einzelne Menschen so anzusprechen, dass sie einen realistischen und mutigen Blick auf die Zukunft gewinnen, sei viel erreicht worden.